Im Oktober bleibt der SAFE-Index zur Manager-Stimmung nahezu unverändert und steigt leicht von +0,35 Punkten im September auf +0,37 Punkte. Auch der Anteil der Wörter, die Unsicherheit signalisieren und von den Führungskräften in Analystenkonferenzen verwendet werden, verändert sich kaum und steigt von 1,51 Prozent auf 1,52 Prozent.
September ist in der Regel ein ruhiger Monat für die Unternehmensberichterstattung, entsprechend selten finden Analystenkonferenzen statt. Daher flossen nur wenige neue Informationen in das dreimonatige Datenfenster des Index ein.
Ein Manager fasste die allgemeine Lage so zusammen: „Als wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, haben wir ein Umfeld erörtert, das von Unsicherheit, geopolitischen Spannungen, schwachem Wirtschaftswachstum und anhaltend hohen Insolvenzzahlen geprägt war. Und dieses Umfeld hat sich nicht grundlegend verändert“.*
„Der Oktober-Index bestätigt, dass sich das Bild kaum verändert hat“, sagt Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE. „Die Führungskräfte sind insgesamt weiterhin leicht positiv gestimmt, doch die Signale sind gemischt. Starke Unternehmensergebnisse stehen schwachen Märkten und zurückhaltenden Kundinnen und Kunden gegenüber“.
Starke Unternehmen treffen auf schwierige Märkte
Die Analystenkonferenzen zeigen große Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen. Im aktuellen Dreimonatszeitraum wurden „starkes Wachstum“ 114-mal und „starke Performance“ 97-mal erwähnt. Gleichzeitig tauchten „herausfordernder Markt“ und „negative Auswirkungen“ jeweils 35-mal auf, während „Umsatzrückgang“ 26-mal erwähnt wurde.
Eine Führungskraft berichtete, dass „das zweite Quartal erneut von einer starken weltweiten Nachfrage geprägt war“ und dass der Umsatz „einen neuen Rekord für das zweite Quartal“ erreichte. Ein anderer Manager beschrieb die aktuelle Geschäftslage als „relativ schwach“ und „ziemlich herausfordernd“. Ein dritter fasste den Kontrast innerhalb eines Unternehmens wie folgt zusammen: „Das Umfeld bleibt herausfordernd, aber unser Geschäft wird immer stärker“.
„Der Indexwert von +0,37 Punkten bedeutet nicht, dass alle Unternehmen optimistisch sind“, sagt Alexander Hillert, Professor für Finance und Data Science am SAFE. „Er spiegelt das Ergebnis sehr unterschiedlicher Erfahrungen wider. Die starke Nachfrage und die gut gefüllten Auftragsbücher in einigen Branchen werden durch eine schwache Verbrauchernachfrage, aufgeschobene Investitionsentscheidungen und rückläufige Umsätze in anderen Bereichen ausgeglichen“.
Die deutsche Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig, doch die Erholung bleibt fragil
Auch in ihrer Einschätzung der deutschen Wirtschaft gehen die Meinungen der Führungskräfte auseinander. Ein Manager bezeichnete 2026 als „ein äußerst herausforderndes Jahr für die deutsche Wirtschaft“ und verwies auf ein BIP-Wachstum von lediglich 0,2 Prozent im zweiten Quartal. Eine andere Führungskraft sagte, die deutsche Wirtschaft zeige “trotz aller Gegenwinde Widerstandsfähigkeit“ und hob ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von 0,6 Prozent auf 1 Prozent an. Andere Führungskräfte rechnen weiterhin mit einer gedämpften Geschäftsstimmung und angespannten Bedingungen bei Geschäftskunden.
„Die Äußerungen deuten darauf hin, dass die Führungskräfte von einer allmählichen und ungleichmäßigen Erholung der Wirtschaft ausgehen“, sagt Hillert. „Ihre Aussagen könnten auf eine Verbesserung der Geschäftstätigkeit und des Auftragseingangs hindeuten. Die Investitionen bleiben jedoch schwach, während geopolitische Risiken weiterhin auf vielen Unternehmen lasten und einen breit angelegten Aufschwung behindern“.
Das nächste Update dürfte ein klareres Signal liefern, da im Oktober die Berichtssaison für das dritte Quartal beginnt. Sie bringt deutlich mehr Analystenkonferenzen und neue Informationen zur Geschäftsentwicklung der Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte – wichtige Daten für die November-Aktualisierung des SAFE-Index.
SAFE-Index zur Manager-Stimmung
Der SAFE-Index misst monatlich, wie optimistisch oder pessimistisch sich Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen in Deutschland äußern. Entwickelt von Alexander Hillert und seinem Team am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, basiert der Index auf einer automatisierten Textanalyse, die positive und negative Aussagen in Geschäftsberichten und Analystenkonferenzen auswertet. Der Index bietet Einblicke in die Investitionsbereitschaft sowie mögliche Trends bei Aktienrenditen. Der Index basiert auf einem rollierenden Dreimonatsfenster von Daten.
Das Team misst außerdem seit Mai 2025 systematisch die in der Finanzmarktkommunikation geäußerte Unsicherheit der Unternehmen und verwendet dazu das Loughran and McDonald Dictionary of Uncertainty Words. Diese Analyse erfasst, wie oft Führungskräfte Unklarheit, Risiko oder Zweifel zum Ausdruck bringen und ermöglicht es, herauszufinden, worüber sich Führungskräfte unsicher sind.
Die nächsten geplanten Veröffentlichungstermine sind:
- Dienstag, 10. November 2026
- Donnerstag, 10.Dezember 2026
* Übersetzungen aus dem Englischen, englische Meldung hier