10 Sep 2026

Unternehmen trotzen dem niedrigen Rheinstand – die Stimmung der Manager hellt sich auf

Starke Geschäftsergebnisse und nachlassende Sorgen über die Lage im Nahen Osten lassen den SAFE Manager Sentiment Index auf +0,35 Punkte steigen

Management Treffen

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung stieg von +0,14 Punkten im August auf +0,35 Punkte im September. Dieser Anstieg ist auf einen optimistischeren Ton in den 93 im August abgehaltenen Analystenkonferenzen zurückzuführen.

Die Führungskräfte berichteten häufig von starken Ergebnissen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Der Begriff „starkes Wachstum“ tauchte in den Ausführungen zum Beispiel 69 Mal auf, „starke Performance“ 65 Mal. Die positive Wortwahl in den Analystenkonferenzen im August war durchweg bei den in Deutschland gelisteten Unternehmen zu beobachten. Gleichzeitig wurde der Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundene Unsicherheit deutlich seltener thematisiert als noch zu Beginn des Sommers. Der Anteil an Wörtern, die Unsicherheit signalisieren, sank von 1,65 Prozent im August auf 1,51 Prozent im September.

Der SAFE-Index im Verlauf, im August zeigt dieser einen Wert von 0.35 Punkten an

„Der Anstieg des SAFE-Index im September spiegelt eine günstige Konstellation wider: Viele Unternehmen melden gute Ergebnisse, während Bedenken aufgrund der geopolitischen Lage in der Kommunikation der Chefetagen an Bedeutung verlieren“, sagt Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE. „Dadurch können positive Unternehmenszahlen den Ton insgesamt stärker prägen.“

Niedrige Wasserstände am Rhein werden genau beobachtet, doch die Unternehmen sind vorbereitet

Für einige Unternehmen rückte ein unmittelbareres Risiko in den Fokus: der heiße und trockene Sommer. Analysten und Analystinnen stellten wiederholt Fragen zu den niedrigen Wasserständen und ihren möglichen Auswirkungen auf Produktion und Transport. Die Führungskräfte berichteten generell von bislang begrenzten Auswirkungen und betonten, dass die Unternehmen ihre Logistik bereits nach früheren Niedrigwasserphasen angepasst hätten.

Eine Führungskraft sagte, niedrigere Wasserstände am Rhein könnten sich mit „geringfügigen Auswirkungen“ auf die Frachtkosten niederschlagen. Die Situation sei jedoch “beherrschbar” und das Unternehmen sei „gut vorbereitet“. Eine andere Führungskraft erklärte, dass Investitionen nach der Niedrigwasserphase von 2018 das Unternehmen „weitaus flexibler“ gemacht hätten, unter anderem durch alternative Transportwege. Mehrere Unternehmen gaben an, Kapazitäten im Schienen- und Straßenverkehr eingeplant oder ihre Lagerbestände aufgestockt zu haben. Einige erklärten ausdrücklich, dass die Produktion nicht beeinträchtigt worden sei.

„Die Diskussion um den Rhein zeigt, wie Unternehmen aus früheren Beeinträchtigungen gelernt haben“, so Alexander Hillert, Professor für für Finance und Data Science bei SAFE. „Niedrige Wasserstände können zwar immer noch die Transportkosten in die Höhe treiben, doch Investitionen in alternative Logistikwege und Notfallpläne scheinen die wirtschaftlichen Auswirkungen bislang zu begrenzen.“

Weniger geopolitische Sorgen

Während sich die Auswirkungen der niedrigen Wasserstände am Rhein auf bestimmte Industrieunternehmen beschränken, sind geopolitische Spannungen für Führungskräfte nach wie vor ein weit verbreitetes Problem. Allerdings gingen die Erwähnungen des Nahostkonflikts im Vergleich zum Vorzeitraum stark zurück. So sanken die Erwähnungen von „Konflikt im Nahen Osten“ um 66, von „Nahostkonflikt“ um 54 und von „Energiekrise“ um 23.

Auch Begriffe, die mit Unsicherheit in Verbindung stehen, wie „Marktvolatilität“ und „schwer vorhersehbar“, traten seltener auf.

„Die Daten deuten darauf hin, dass die starken Ergebnisse des zweiten Quartals nicht mehr in gleichem Maße von geopolitischen Sorgen überschattet werden”, sagt Alexander Hillert. „Der Rückgang der Unsicherheit bedeutet nicht, dass diese Risiken verschwunden sind, aber die Manager scheinen sie derzeit als besser beherrschbar einzuschätzen.“

Wie oft nutzen Manager unsichere Wörter: Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil der als "unsicher" eingestuften Wörter, die in Analystenkonferenzen von in Deutschland Börsennotierten Unternehmen verwendet werden, beginnend im März 2024. Der Anteil an Wörtern, die Unsicherheit signalisieren, sank von 1,65 Prozent im August auf 1,51 Prozent im September.

SAFE-Index zur Manager-Stimmung 

Der SAFE-Index misst monatlich, wie optimistisch oder pessimistisch sich Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen in Deutschland äußern. Entwickelt von Alexander Hillert und seinem Team am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, basiert der Index auf einer automatisierten Textanalyse, die positive und negative Aussagen in Geschäftsberichten und Analystenkonferenzen auswertet. Der Index bietet Einblicke in die Investitionsbereitschaft sowie mögliche Trends bei Aktienrenditen. Der Index basiert auf einem rollierenden Dreimonatsfenster von Daten. 

Das Team misst außerdem seit Mai 2025 systematisch die in der Finanzmarktkommunikation geäußerte Unsicherheit der Unternehmen und verwendet dazu das Loughran and McDonald Dictionary of Uncertainty Words. Diese Analyse erfasst, wie oft Führungskräfte Unklarheit, Risiko oder Zweifel zum Ausdruck bringen und ermöglicht es, herauszufinden, worüber sich Manager:innen unsicher sind.

Die nächsten geplanten Veröffentlichungstermine sind:

  • Donnerstag, 8. Oktober 2026
  • Dienstag, 10. November 2026
  • Donnerstag, 10.Dezember 2026

* Übersetzungen aus dem Englischen; Originalaussagen aus den Analystenkonferenzen siehe englische Pressemitteilung.