08 Oct 2025

Deutsche Unternehmen setzen auf das Konjunkturpaket

Börsennotierte Unternehmen in Deutschland navigieren durch ein herausforderndes Umfeld, aber einzelne reagieren positiv auf das Konjunkturpaket

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung fiel im Oktober leicht von –0,32 Punkten auf –0,40 Punkten. Auch die beiden Bestandteile des Index zeigten keine großen Veränderungen: Die Finanzberichte spiegelten weiterhin einen negativen Ton wider, wobei die Stimmung mit –1,42 Punkten gegenüber –1,39 Punkten im September nahezu unverändert blieb. Die Stimmung bei den Analystenkonferenzen bleibt positiv, schwächte sich jedoch leicht ab und fiel von +0,90 auf +0,80 Punkte. Die Stimmung bleibt also verhalten, aber die deutsche Haushaltsplanung gibt einigen Unternehmen mehr Sicherheit.

Die Grafik zeigt den zeitlichen Verlauf des Indexes, im Oktober steht er bei -0,40 Punkten.

Im September verabschiedete der Deutsche Bundestag zunächst den Jahreshaushalt für 2025, bevor die Bundesregierung den Haushaltsentwurf für 2026 vorlegte, über den der Bundestag voraussichtlich am 27. November endgültig abstimmen wird. Die Haushaltspläne und die mittelfristige Finanzplanung konkretisieren   , wie das Konjunkturpaket zur Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden soll. Unternehmen, die erwarten, vom Programm zu profitieren, blicken daher optimistischer in die Zukunft. Eine Führungskraft erklärt: „Das Investitionsprogramm der Bundesregierung wird uns zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Es bedeutet Rückenwind für unsere künftige finanzielle Entwicklung […].”* Eine andere Führungskraft argumentiert: „[…] der 500 Milliarden Euro schwere deutsche Infrastrukturfonds ist eine große Chance für [unser Unternehmen]. […] Deutschland muss digitalisieren, und das Geld fließt in diese Richtung. Wir haben in dieser Hinsicht mehrere Möglichkeiten, die wir in Betracht ziehen.”*

Während Führungskräfte mehr Sicherheit hinsichtlich der zukünftigen Fiskalpolitik haben, sorgen geopolitische Themen weiterhin für eine große Unplanbarkeit. Daher verwenden sie in ihrer Finanzkommunikation weiterhin Begriffe, die Unsicherheit widerspiegeln. Allerdings sind Ausdrücke wie „negative Auswirkungen” und „schwer einzuschätzen” seltener geworden. „Die Unsicherheit hinsichtlich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung ist nach wie vor hoch“, sagt Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE. „Die Unternehmen wägen die potenziellen positiven Auswirkungen des Konjunkturpakets der Bundesregierung sorgfältig ab, bleiben jedoch hinsichtlich des globalen Wirtschaftsumfelds überwiegend vorsichtig.“

Die Grafik zeigt den Verlauf des Anteils der "unsicheren" Wörter in der Sprache der Manager in Prozent

Zwischen Optimismus und Gegenwind

Während das Konjunkturpaket für einige Branchen ein positives Signal darstellt, beschreiben Führungskräfte das allgemeine Geschäftsumfeld weiterhin als anspruchsvoll. So merkte beispielsweise ein Unternehmen an: „Wir sind uns bewusst, dass wir uns in sehr schwierigen Zeiten befinden, aber dank gut gefüllter Projektpipelines in allen unseren bestehenden Segmenten und auch in den neuen Segmenten sind wir gut gerüstet, um diese herausfordernde Zeit zu meistern.“* Eine andere Führungskraft kommentierte: „Gleichzeitig erkennen wir an, dass das Marktumfeld nach wie vor schwierig ist. Der Auftragseingang und der Auftragsbestand sind aufgrund des schwierigen Marktumfelds deutlich unter das Vorjahresniveau gesunken. Wir sehen volatile politische und wirtschaftliche Bedingungen, Zolldynamiken und ein anhaltend gedämpftes Investitionsklima im Automobilsektor.“*

Alexander Hillert, Professor für Finance und Data Science beim SAFE erklärt: „Die Daten zeigen, dass es große Unterschiede darin gibt, wie gut Unternehmen mit der aktuellen Situation zurechtkommen. Während einige einen deutlichen Nachfragerückgang verzeichnen, gelingt es anderen weiterhin, viele neue Aufträge zu gewinnen. Allen Unternehmen gemeinsam ist jedoch, dass sie mit einer anhaltend höheren Unsicherheit konfrontiert sind. Wir beobachten, dass Unternehmen von einem ad hoc Krisenmanagement zu einer eher vorausschauenden Perspektive übergehen.“ 

Der SAFE Manager Sentiment Index

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung (SAFE Manager Sentiment Index) misst monatlich, wie optimistisch oder pessimistisch sich Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen in Deutschland äußern. Entwickelt von Alexander Hillert und seinem Team am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, basiert der Index auf einer automatisierten Textanalyse, die positive und negative Aussagen in Geschäftsberichten und Analystenkonferenzen auswertet. Der Index bietet Einblicke in die Investitionsbereitschaft sowie mögliche Trends bei Aktienrenditen. Der Index basiert auf einem rollierenden Dreimonatsfenster von Daten. 

Das Team misst außerdem seit Mai 2025 systematisch die in der Finanzmarktkommunikation geäußerte Unsicherheit der Unternehmen und verwendet dazu das Loughran and McDonald Dictionary of Uncertainty Words. Diese Analyse erfasst, wie oft Führungskräfte Unklarheit, Risiko oder Zweifel zum Ausdruck bringen und ermöglicht es, herauszufinden, worüber sich Manager:innen unsicher sind. 

Die weiteren geplanten Veröffentlichungstermine im Jahr 2025 sind: 

  • Dienstag, 11. November
  • Dienstag, 9. Dezember 

*Übersetzungen aus dem Englischen; Originalaussagen siehe englische Pressemitteilung.