Neue Zeitschrift für Gesellschaftsrecht (NZG), Issue 19, pp. 877-881, 2026

Zur Hauptversammlungspräsenz bei börsennotierten Aktiengesellschaften

Die tatsächliche Teilnahme von Aktionären an der Hauptversammlung hat zwei normative Auswirkungen auf das Gesellschaftsrecht: Sie kann den Maßstab der Beherrschung im Konzernrecht (§ 17 AktG) für jede Gesellschaft individuell bedingen und liegt dem typisierten Kontrollmaßstab des Übernahmerechts (§ 29 II WpÜG) zugrunde. Eine empirische Überprüfung dieses Maßstabs bietet zudem die Gelegenheit, die Auswirkungen des virtuellen Hauptversammlungsformats auf die Teilnehmerzahlen zu überprüfen. Die Untersuchung der Hauptversammlungspräsenzen der deutschen Gesellschaften in DAX und MDAX für die Jahre 2023-2025 zeigt zwei wesentliche Ergebnisse: Zunächst ist die Teilnahmequote bei virtuellen Hauptversammlungen signifikant niedriger als bei Präsenzversammlungen. Weiterhin erfüllt die Schwelle von 30% der Stimmrechte in § 29 II WpÜG nicht mehr die Prämissen, die ihrer Einführung zugrunde lagen, und ist zu niedrig angesetzt: Nur in einer deutlichen Minderheit der Versammlungen würde ein solcher Stimmrechtsanteil zu einer Hauptversammlungsmehrheit führen.