SAFE Finance Blog
22 Nov 2021

Wie sich die Alterssicherung in Deutschland verbessern lässt

Die demographische Entwicklung und Niedrigzinsen haben Folgen für das deutsche Rentensystem. Um den Lebensstandard im Alter absichern zu können, braucht es finanzier- und machbare Maßnahmen

Eine auskömmliche Rente ist für viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland nicht mehr sicher. Zum einen lässt sich das auf das zunehmend unausgeglichene Verhältnis von Rentenbeitragszahlern und Rentnern zurückführen, wodurch das Umlageverfahren der gesetzlichen Rente zunehmend belastet wird. Zum anderen macht das anhaltende Niedrigzinsumfeld kapitalgedeckte betriebliche und private Altersvorsorgeformen mit Beitragsgarantien unattraktiv.

Die drei großen Stellschrauben der gesetzlichen Rente in Deutschland – nämlich Beitragssatz, Renteneintritt und Finanzierung aus dem Staatshaushalt – lassen sich gegen wirtschaftlichen, politischen und auch gesellschaftlichen Widerstand nicht weiter drehen. Auch die sogenannte Riester-Rente bietet in der aktuellen Form keinen Spielraum mehr für ein attraktives und tragfähiges Vorsorgemodell. Dabei lassen sich mit Blick auf die gesetzliche Rentenversicherung, eine „Aktienrente ab Geburt“, eine Nachbesserung bei der Riester-Rente sowie durch aktive Unterstützung bei der Rentenplanung Maßnahmen ergreifen, die sich schnell und effektiv umsetzen lassen.

Einmalzahlung bei Rentenbeginn

Zunächst besteht eine Möglichkeit darin, Anreize für einen freiwilligen spätere Renteneintritt zu schaffen. Eine technisch einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme besteht darin, die aus der „Verlängerung“ erzielte Zusatzrente nicht nur als Erhöhung der Monatsrente sondern auch als Einmalbetrag bei Renteneintritt auszuzahlen. Somit entstehen überschaubare Kosten für die Rentenkasse bei gleichzeitigem nachweisbaren Nutzen, dass mehr Menschen dieses Angebot in Anspruch nehmen.

Aktienrente ab Geburt

Bei einer „Aktienrente ab Geburt“ wird für alle Neugeborenen eine staatlich finanzierte Einmalprämie in ein Depot eingezahlt. Die Mittel aus diesem Depot werden treuhänderisch in weltweit diversifizierte Aktien und Fonds angelegt und erst mit Renteneintritt ausgezahlt. Durch die langfristig enorme Ertragskraft des internationalen Produktivkapitals können schon mit sehr geringen Anlagebeträgen und unabhängig von der individuellen Erwerbsbiographie erhebliche Vermögen für die späteren Lebensjahre aufgebaut werden. Über den sehr langfristen Anlagehorizont lassen sich kurzfristige Renditeschwankungen im zeitlichen Verlauf ausgleichen. Unter dem Strich steht somit eine beträchtliche Zusatzversorgung für jede und jeden Einzelnen in der Gesellschaft, was zugleich Altersarmut in den kommenden Generationen vermeidet.

Reform der Riester-Rente

Damit auch die aktuellen Kohorten für die Altersvorsorge am Produktivkapital partizipieren, kann die derzeitige Beitragsgarantie bei der Riester-Rente nachgeschliffen werden. Wenn die Mindestauszahlung am Ende der Vertragslaufzeit für die Eigenbeiträge weiterhin garantiert bleibt, nicht aber die staatlichen Zuschüsse, lassen sich deutlich höhere Renditen und Kapitalerträge erzielen. Eine reformierte Beitragsgarantie in Kombination mit standardisierten risikobasierten Anlagestrategien könnte die Riesterrente nicht nur auf nationaler sondern auch auf europäischer Ebene attraktiver machen, wenn wie bei der Europarente („Pan-European Personal Pension Product“, PEPP) risikoäquivalente Anlagestrategien wie etwa ein Lebenszyklusfonds alternativ zur Beitragsgarantie zugelassen werden.

Unterstützung bei der Rentenplanung

Schließlich sind die Menschen auch auf mehr Transparenz und Unterstützung bei der Rentenplanung angewiesen. Die unter dem Dach der Deutschen Rentenversicherung geplante „Zentrale Stelle für die Digitale Rentenübersicht“ (ZfDR) als Anwendung zur Übertragung digitaler Renteninformationen ist ein vielversprechender erster Schritt. Jedoch bleibt das Rentenpuzzle bei der Beschränkung auf eine tabellarische Darstellung versicherungsförmiger Leistungen lückenhaft. Alternativ können Datentreuhänder gefördert werden, die den Menschen eine aussagekräftige Gesamtsicht bietet und frühzeitig zu konkreten Entscheidungen ermutigen.


Andreas Hackethal leitet die SAFE-Forschungsabteilung Household Finance und ist Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe Universität Frankfurt.

Raimond Maurer ist Professor für Investment, Portfolio Management und Alterssicherung an der Goethe Universität Frankfurt und SAFE Fellow.

Blogbeiträge repräsentieren die persönlichen Ansichten der Autoren:innen und nicht notwendigerweise die von SAFE oder seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

Referenzen

SAFE White Paper 75

SAFE Policy Letter No. 90

 

Prof. Dr. Andreas Hackethal

Direktor Forschungsabteilung "Household Finance"

Prof. Dr. Raimond Maurer

SAFE Fellow