11 Nov 2025

US-Haushaltslage belastet auch Unternehmen an der Frankfurter Börse

Unternehmen in Deutschland rechnen mit wirtschaftlichen Auswirkungen durch Haushaltsstreit / SAFE-Index zur Manager-Stimmung bleibt insgesamt neutral

US Capitol in Washington, D.C.

Auf Analystenkonferenzen börsennotierter Unternehmen in Deutschland war die US-Haushaltssperre zuletzt ein zentrales Thema. Vor allem exportorientiere Unternehmen sehen Risiken durch verunsicherte Kund:innen und aufgeschobene Aufträge. 

„Die Unternehmen fragen sich, ob sie angesichts der Situation in den USA an Profitabilität verlieren“, sagt Alexander Hillert, Professor für Finance und Data Science am Leibniz-Institut SAFE. Der Shutdown der US-Bundesverwaltung habe das Konsumverhalten negativ beeinflusst und verzögere insbesondere öffentliche Aufträge.

Führungskräfte betonten, dass die „Diskussionen über die aktuelle Schließung der Regierung [...]das Kaufverhalten in den USA schon lange vor Beginn der Schließung beeinflusst“* hätten, dass der Shutdown „die Investitionsbereitschaft der Kund:innen beeinflusst"* hätte und in einigen Branchen für „hohe Nervosität“* sorge. 

„Der längste Shutdown der US-Geschichte hat vielen Unternehmen mehr Sorgen bereitet als die ebenfalls diskutierten Halbleiterengpässe“, so Hillert. Ein Manager eines Automobilherstellers sagte zum Beispiel, dass der derzeitige Engpass „keinen Einfluss auf die Produktion“* habe. Seit der letzten Chipkrise sind die Lieferketten stabiler. Außerdem ist klarer, welche Halbleiter für welche Bauteile und Modelle benötigt werden. Das mildert die Auswirkungen. 

SAFE-Index steigt leicht

Trotz globaler Unsicherheiten bleibt die Stimmung unter den Führungskräften stabil: „Der SAFE-Index liegt weiterhin in einem neutralen Bereich“, erklärt Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor am Leibniz-Institut SAFE. Im November stieg der Index zur Manager-Stimmung leicht von -0,40 auf -0,31 Punkte. 

Abbildung des SAFE-Indexes, der Wert liegt im November 2025 bei -0.31.

„Führungskräfte behalten Risiken im Blick, verfallen aber nicht in Pessimismus. Viele berichten von einem guten dritten Quartal und blicken vorsichtig optimistisch auf die kommenden Monate“, so Heider. Diese Einschätzung stützen Äußerungen aus den Analystenkonferenzen wie: „Unsere Wachstumsstrategie… zahlt sich aus“* oder „Wir sind auf dem besten Weg, unsere strategischen Ziele zu erreichen oder sogar zu übertreffen.“* Einige Führungskräfte erwarten eine unveränderte Lage: Es gebe derzeit „keine wirklich negative oder positive Entwicklung“*, so ein Manager. Auch eine Abkühlung zum Jahresende sei nicht beunruhigend und „nichts Ungewöhnliches“*, sagte eine Führungskraft. „Das kaum veränderte Gesamtbild zeigt sich so auch im SAFE Manager Sentiment Index: Zwischen September und November bewegte sich der Index nur geringfügig“, ergänzt Hillert. 

Der SAFE Manager Sentiment Index 

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung (SAFE Manager Sentiment Index) misst monatlich, wie optimistisch oder pessimistisch sich Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen in Deutschland äußern. Entwickelt von Alexander Hillert und seinem Team am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, basiert der Index auf einer automatisierten Textanalyse, die positive und negative Aussagen in Geschäftsberichten und Analystenkonferenzen auswertet. Der Index bietet Einblicke in die Investitionsbereitschaft sowie mögliche Trends bei Aktienrenditen. Der Index basiert auf einem rollierenden Dreimonatsfenster von Daten. 

Das Team misst außerdem seit Mai 2025 systematisch die in der Finanzmarktkommunikation geäußerte Unsicherheit der Unternehmen und verwendet dazu das Loughran and McDonald Dictionary of Uncertainty Words. Diese Analyse erfasst, wie oft Führungskräfte Unklarheit, Risiko oder Zweifel zum Ausdruck bringen und ermöglicht es, herauszufinden, worüber sich Manager:innen unsicher sind. 

Die weiteren geplanten Veröffentlichungstermine im Jahr 2025 sind: 

  • Dienstag, 9. Dezember 

*Übersetzungen aus dem Englischen; Originalaussagen siehe englische Pressemitteilung.