Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken prägen die Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und die wirtschaftliche Stabilität. Darin waren sich die Teilnehmenden der Sustainability Standards Conference 2026 einig, die am 18. Mai an der Goethe-Universität Frankfurt stattfand. Auf der diesjährigen Konferenz Verterter:innen aus Wissenschaft, Regulierungsbehörden, Finanzindustrie über die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer und regulatorischer Spannungen.
Die Konferenz wurde gemeinsam vom House of Finance, der Goethe-Universität Frankfurt, dem International Sustainability Standards Board (ISSB), dem Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC), der Gruppe Deutsche Börse sowie dem Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE organisiert.
Von Finanzrisiken zu unternehmerischer Verantwortung
Zu den Teilnehmenden gehörten der ISSB-Vorsitzende Emmanuel Faber und die stellvertretende Vorsitzende Sue Lloyd, Sven Gentner von der Europäischen Kommission sowie Kerstin Lopatta vom EFRAG Sustainability Reporting Board. Zum wissenschaftlichen Programmteil trugen Matthias Breuer und Katharina Hombach vom Fachbereich Accounting & Sustainability Reporting der Goethe-Universität gemeinsam mit Florian Heeb (SAFE) und Gaizka Ormazabal (IESE) bei. Vertreter:innen von BlackRock, Allianz Global Investors, BASF, Deloitte und ISS ESG brachten die Industrieperspektive ein.
Die Konferenz thematisierte außerdem den wachsenden politischen Widerstand gegen Environmental, Social and Governance (ESG)- sowie Diversity, Equity and Inclusion (DEI)-Initiativen, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Dies schaffe zusätzliche Unsicherheit für international tätige Unternehmen und Investor:innen. In der Eröffnungsrunde betonte Petra Hielkema, die Vorsitzende der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA): „Ob Themen politisch gerade en vogue sind oder nicht, spielt keine Rolle. Es muss gehandelt werden.“
Mit Blick auf die Auswirkungen von Klimarisiken fügte Frank Elderson, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsgremiums und Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, hinzu: „Finanzmarktakteure müssen diese Risiken steuern, denn sie sind hoch relevant.“ Beide machten deutlich, dass physische Klimafolgen, steigende Versicherungsschäden und Störungen von Lieferketten bereits heute die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Investitionsentscheidungen beeinflussen. Deshalb müssten Nachhaltigkeitsrisiken unabhängig von politischen Zyklen in das Risikomanagement und in Investitionsentscheidungen einbezogen werden.
Rahmenwerke, Standards und Berichtspflichten verbessern die Transparenz und Vergleichbarkeit. Sie führen aber nicht automatisch zur Dekarbonisierung der Realwirtschaft. Mehrere Sprecher:innen betonten, Regulierung müsse stärker mit Anreizen, wirksamer Durchsetzung und einer strategischen Verankerung in Unternehmensentscheidungen verknüpft werden, um den Wandel voranzutreiben.
Die Vereinfachung von Nachhaltigkeitsregulierungen – besonders im Zusammenhang mit dem Omnibus-Vorschlag der Europäischen Kommission – prägte viele Diskussionen. Die Teilnehmenden unterstützten zwar grundsätzlich den Abbau unnötiger Belastungen. Zugleich warnten viele davor, die Substanz bestehender Nachhaltigkeitsregulierungen zu schwächen. Datenqualität, Vergleichbarkeit und wirksames Risikomanagement nannten sie wiederholt als zentrale Grundlagen, die erhalten bleiben müssten.
Weltweit kompatible Nachhaltigkeitsberichterstattung
Ein weiterer Schwerpunkt war die wachsende Bedeutung der Interoperabilität Berichtsrahmen, insbesondere zwischen den European Sustainability Reporting Standards und der globalen Nachhaltigkeitsberichterstattung des ISSB. Vor dem Hintergrund eines zunehmend fragmentierten geopolitischen Umfelds betonten die Teilnehmenden die Notwendigkeit global kompatibler Berichtssysteme, die Doppelarbeit reduzieren und gleichzeitig Transparenz und Qualität sichern.
Einen vollständigen Überblick über Themen und Teilnehmende bietet das Programm.