Im April sank der SAFE-Index zur Manager-Stimmung von +0,67 auf +0,15 Punkte. Der Rückgang ist auf eine Verschlechterung des Tonfalls bei Analystenkonferenzen zurückzuführen, während der Ton der Finanzberichte weitgehend stabil blieb. Der Anteil der Wörter, die Unsicherheit zum Ausdruck bringen, stieg von 1,50 Prozent im März auf 1,57 Prozent und verzeichnete damit den ersten nennenswerten Anstieg seit Mitte 2025.
„Der Rückgang des SAFE-Index zeigt, dass die Manager auf die erneute geopolitische Unsicherheit reagieren, insbesondere aufgrund des Konflikts im Nahen Osten“, sagt Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE. „Die durch den Konflikt verursachte Unsicherheit erschwert es den Führungskräften, vorausschauend zu planen; sie blicken mit größerer Vorsicht auf den Rest des Jahres, denn vieles wird davon abhängen, wie lange der Krieg andauert.“
Zunehmende Unsicherheit, Aussichten werden unwägbar
Die Finanzberichte zeigen für das Jahr 2025 eine solide Entwicklung, während sich die Erläuterungen zu den Geschäftsergebnissen stark auf die jüngsten Ereignisse und die Erwartungen für 2026 konzentrieren. Der deutlich vorsichtige Ton unterstreicht die wachsende Besorgnis der Führungskräfte hinsichtlich der mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Risiken des Konflikts.
Viele Unternehmen betonten, dass die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen nach wie vor schwer vorherzusagen seien, und wiesen auf die erhöhte Marktvolatilität hin. Gleichzeitig erklärten mehrere Unternehmen, dass ihre Prognosen für 2026 unverändert bleiben, sofern der Konflikt bald beendet wird. Eine Führungskraft äußerte sich dazu wie folgt: „Solange dieser Krieg im Nahen Osten hoffentlich nicht ewig andauert und die allgemeine wirtschaftliche Lage weltweit stabil ist, erwarten wir in den nächsten Wochen bis zum Ende dieses Quartals keine größeren Herausforderungen [...].“* In ähnlicher Weise wies eine Führungskraft aus der Fertigungsindustrie auf das unsichere Umfeld hin, bestätigte jedoch die Prognose des Unternehmens für 2026: „Natürlich ist das Jahr angesichts der aktuellen Ereignisse Ende Februar im Nahen Osten nach wie vor sehr ungewiss. Die allgemeine wirtschaftliche Lage bleibt herausfordernd, aber wir […] veröffentlichen heute erneut unsere Prognose für das Gesamtjahr und bestätigen, dass wir für 2026 sowohl beim Umsatz als auch beim EBITDA eine stabile Geschäftsentwicklung erwarten.“
„Die aktuellen Daten verdeutlichen ein Spannungsfeld zwischen soliden operativen Ergebnissen und zunehmender geopolitischer Unsicherheit“, sagt Alexander Hillert, der das Forschungsteam hinter dem SAFE-Index leitet. „Zwar sind die Unternehmenszahlen derzeit noch solide, doch sehen sich die Manager zunehmend mit einem hochvolatilen, sich rasch wandelnden und schwer einzuschätzenden Umfeld konfrontiert, das durch den Konflikt im Nahen Osten geprägt ist.“
Begrenzte direkte Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb, aber zunehmender Kostendruck
Bislang haben Unternehmen kaum direkte Auswirkungen auf ihren Betrieb und ihre Lieferketten gemeldet; Europa ist von Versorgungsengpässen weniger direkt betroffen als andere Teile der Welt. Ein Manager erklärte: „[…] Bis heute sehen wir keine sichtbaren Auswirkungen, aber natürlich sind die geopolitische Volatilität und die weltweite Unsicherheit hoch. […] Zwar führt der Iran-Konflikt zu Unsicherheit im Energiebereich und zu Kostensteigerungen, doch ist dies nicht mit dem Krieg in der Ukraine vergleichbar. Europa war durch den Angriffskrieg in der Ukraine stark betroffen, durch die Gas- und Ölversorgung die von Russland geliefert wurde.“
Unternehmen führen jedoch zunehmend höhere Kosten an, insbesondere im Bereich Energie und Transport. Eine Führungskraft aus der Schifffahrtsbranche erklärte: „Natürlich müssen wir uns nun auch mit der erneuten Krise im Nahen Osten auseinandersetzen, die für uns erhebliche Mehrkosten verursacht, vor allem kurzfristig. Wir müssen dann natürlich abwarten, wie wir diese Kosten in den kommenden Monaten wieder ausgleichen können.“
SAFE-Index zur Manager-Stimmung
Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung (SAFE Manager Sentiment Index) misst monatlich, wie optimistisch oder pessimistisch sich Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen in Deutschland äußern. Entwickelt von Alexander Hillert und seinem Team am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, basiert der Index auf einer automatisierten Textanalyse, die positive und negative Aussagen in Geschäftsberichten und Analystenkonferenzen auswertet. Der Index bietet Einblicke in die Investitionsbereitschaft sowie mögliche Trends bei Aktienrenditen. Der Index basiert auf einem rollierenden Dreimonatsfenster von Daten.
Das Team misst außerdem seit Mai 2025 systematisch die in der Finanzmarktkommunikation geäußerte Unsicherheit der Unternehmen und verwendet dazu das Loughran and McDonald Dictionary of Uncertainty Words. Diese Analyse erfasst, wie oft Führungskräfte Unklarheit, Risiko oder Zweifel zum Ausdruck bringen und ermöglicht es, herauszufinden, worüber sich Manager:innen unsicher sind.
Die weiteren geplanten Veröffentlichungstermine sind:
- Mittwoch, 13. Mai 2026
- Mittwoch, 10. Juni 2026
- Donnerstag, 09. Juli 2026
* Übersetzungen aus dem Englischen; Originalaussagen siehe englische Pressemitteilung.