01 Jul 2026

Auf dem Weg zur Klimaneutralität

Zwischen ambitionierten Klimazielen und Bürokratiebelastung ringen Politik, Wirtschaft und Finanzbranche um praktikable Lösungen

Pflanze in Topf mit Geld

Vor zehn Jahren wurde das Pariser Klimaschutzabkommen mit dem Ziel unterzeichnet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Dieses Ziel wird nach heutigem Stand nicht erreicht. Doch wie kann Transformation vorangetrieben werden? Welche Rolle der Kapitalmarkt dabei spielen kann, hängt auch davon ab, wie lange CO₂-intensive Geschäftsmodelle noch profitabel sind.

Darüber diskutierten Ralf Eckert, Managing Partner Financial Services von EY Deutschland, Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie Florian Heeb, Assistant Professor bei SAFE und UniCredit Foundation Fellow, am 19. Juni 2026. Detlef Fechtner, Politischer Chefreporter der Börsen-Zeitung, moderierte die Podiumsdiskussion. Organisiert wurde das Event vom Nachhaltigkeitsbüro der Goethe-Universität, dem House of Finance und SAFE. 

Vom Reporting zur Transformation 

Nachhaltigkeitsregulierung wie die EU-Richtlinie zur Unternehmensberichterstattung oder die EU-Taxonomie ist wichtig, schaffen Transparenz, bewirken aber keine Transformation, betonten die Experten. Zugleich belasten die Berichtspflichten aus Sicht von Schumacher vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Bei diesem Thema schlagen deshalb „zwei Herzen in meiner Brust“, sagte er.

Ein weiterer Aspekt sind Qualität und Vergleichbarkeit der Daten bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Heeb hob hervor, dass eine Standardisierung aufgrund branchenspezifischer Unterschiede schwierig ist. Besonders schwierig ist auch die Messung anderer Nachhaltigkeitsaspekte als des CO₂-Ausstoßes: Die Auswirkungen von Unternehmen auf die Biodiversität zu messen sei etwa um den Faktor 80 komplexer.       

Von braunen zu grünen Investitionen – aber wie? 

Damit der Finanzmarkt stärkere Impulse für die Transformation geben kann, müsse klar sein, wo Kapital fehlt und wo es die größte Wirkung entfalten kann. Eine solche zielgenaue Analyse sei in der Praxis allerdings „gar nicht so einfach“, sagte Heeb, wäre aber enorm hilfreich: Denn die Bereitschaft vieler Investor:innen, Kapital gezielt zur Unterstützung der grünen Transformation einzusetzen, sei auch dann vorhanden, wenn dies geringere Renditen zur Folge hätte.

Wie sich Kapitalströme infolge der Transformation künftig verändern könnten, ist derzeit noch offen. Heeb verwies auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach CO₂-intensive („braune“) Vermögenswerte zunehmend von streng regulierten Banken zu weniger regulierten Finanzintermediären wie Nichtbanken verlagert werden. Eine entscheidende Frage ist deshalb, wie lange sich mit CO₂-intensiven Geschäftsmodellen noch Gewinne erzielen lassen. Ein gut ausgestalteter Emissionshandel könnte hier wichtige Preissignale setzen, indem er CO₂-Emissionen einen Preis gibt und damit emissionsintensive Geschäftsmodelle wirtschaftlich weniger attraktiv macht.