10 Jun 2026

Iran-Konflikt prägt Analystenkonferenzen börsennotierter Unternehmen

SAFE-Index zur Manager-Stimmung zum ersten Mal seit November 2025 wieder im negativen Bereich

Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran ist das beherrschende Thema auf Analystenkonferenzen börsennotierter Unternehmen in Deutschland. In 47 der 92 Analystenkonferenzen aus dem Monat Mai, wird der Konflikt im Nahen Osten thematisiert. In den Chefetagen dämpfen höhere Rohstoffpreise und die gesunkene Verbraucherstimmung infolge der Angriffe die Erwartungen für die kommenden Monate und nähren Zweifel daran, dass das zweite Quartal an die guten Geschäftsergebnisse aus dem ersten Quartal anknüpfen kann.

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung, der auf der Analyse der Analystenkonferenzen und Finanzberichten basiert, sinkt im Juni von 0,10 Punkten auf -0,04 Punkte und liegt damit erstmals seit November 2025 wieder im negativen Bereich. Ausschlaggebend sind mehr negative Äußerungen von Führungskräften auf den Analystenkonferenzen.

Der SAFE-Index im Verlauf, im Juni zeigt dieser einen Wert von -0.04 Punkten an

„Viele Führungskräfte börsennotierter Unternehmen erwarten höhere Rohstoffpreise und einen Rückgang der Nachfrage durch den Iran-Konflikt. Die Sorge wächst, dass sich die negativen Auswirkungen im zweiten Quartal stärker in den Geschäftszahlen bemerkbar machen“, sagt Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor von SAFE.

Eine Führungskraft bezeichnet die Auswirkungen des Nahostkonflikts als „das derzeit drängendste Thema, dessen Folgen aus dem militärischen Konflikt im Nahen Osten resultieren“*. Eine andere beschreibt die Dynamik der aktuellen Lage mit den Worten: „Die Situation verändert sich derzeit von Woche zu Woche.“

Starkes erstes Quartal reicht nicht für gute Stimmung

Viele Unternehmen berichten positiv über ihre Geschäftsentwicklung im ersten Quartal. Eine Führungskraft beschreibt die Geschäftsentwicklung mit „starker Performance im ersten Quartal“, eine andere erklärt: „Wir gehen mit sehr starkem Momentum ins Geschäftsjahr 2026.“ Auf 86 der 92 Analystenkonferenzen im Mai verwenden Führungskräfte die positiven Formulierungen „starkes Wachstum“, „starke Performance“, „starke Dynamik“, „starke Ergebnisse“, „profitables Wachstum“, „positive Dynamik“ oder „bleibt stark“.  Die Begriffe „Ertragsrückgang“, „Umsatzrückgang“ oder „Nachfragerückgang“, die negative Geschäftsentwicklungen anzeigen, kommen hingegen nur in 22 der 92 Analystenkonferenzen zur Sprache.

„In der Juni-Auswertung des SAFE-Index überwiegen positive Aussagen über die Geschäftsentwicklung des vergangenen Quartals. Mit Blick auf die kommenden Monate bleibt die Stimmung vieler Führungskräfte jedoch verhalten“, sagt Alexander Hillert, Professor für Finance und Data Science am Leibniz-Institut SAFE. Die negative Tonalität der Analystenkonferenzen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt trägt maßgeblich zum Rückgang des SAFE-Index bei. Gleichzeitig steigt der Anteil von Begriffen, die Unsicherheit ausdrücken, leicht von 1,58 auf 1,63 Prozent.

Wie oft nutzen Manager unsichere Wörter: Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil der als "unsicher" eingestuften Wörter, die in Analystenkonferenzen von in Deutschland Börsennotierten Unternehmen verwendet werden, beginnend im März 2024. Nach einem starken Anstieg auf 1,58 % im Vormonat erhöhte sich der Wert in diesem Monat leicht auf 1,63 %

„Viele Unternehmen berichten von einer robusten Geschäftsentwicklung, doch vor allem die Unsicherheit darüber, wie sich der Iran-Konflikt weiter entwickeln wird, zeigt sich deutlich in den Aussagen der Führungskräfte. Die hohe Unsicherheit erschwert die Geschäftsplanungen und Investitionsentscheidungen“, sagt Hillert. 

SAFE-Index zur Manager-Stimmung 

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung (SAFE Manager Sentiment Index) misst monatlich, wie optimistisch oder pessimistisch sich Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen in Deutschland äußern. Entwickelt von Alexander Hillert und seinem Team am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, basiert der Index auf einer automatisierten Textanalyse, die positive und negative Aussagen in Geschäftsberichten und Analystenkonferenzen auswertet. Der Index bietet Einblicke in die Investitionsbereitschaft sowie mögliche Trends bei Aktienrenditen. Der Index basiert auf einem rollierenden Dreimonatsfenster von Daten. 

Das Team misst außerdem seit Mai 2025 systematisch die in der Finanzmarktkommunikation geäußerte Unsicherheit der Unternehmen und verwendet dazu das Loughran and McDonald Dictionary of Uncertainty Words. Diese Analyse erfasst, wie oft Führungskräfte Unklarheit, Risiko oder Zweifel zum Ausdruck bringen und ermöglicht es, herauszufinden, worüber sich Manager:innen unsicher sind.

Die nächsten geplanten Veröffentlichungstermine sind:

  • Donnerstag, 9. Juli 2026
  • Dienstag, 11. August 2026
  • Donnerstag, 10. September 2026
  • Donnerstag, 8. Oktober 2026
  • Dienstag, 10. November 2026
  • Donnerstag, 10.Dezember 2026

* Übersetzungen aus dem Englischen; Originalaussagen aus den Analystenkonferenzen siehe englische Pressemitteilung.