Internationale Zahlungsströme sind eine notwendige Begleiterscheinung des internationalen Handels. Verlässliche Lösungen für den internationalen Zahlungsverkehr stellen daher ein öffentliches Gut dar, das bis heute weitgehend als nicht staatliche Infrastruktur existiert. Wie Catherine R. Schenk am 29. Juni 2022 in ihrer Financial History Lecture im Rahmen der vom Bankhaus Metzler sowie der Friedrich Flick Förderungsstiftung ermöglichten Stiftungsgastprofessur Financial History 2022 erläuterte, scheint das internationale Zahlungsverkehrssystem an einen Wendepunkt gelangt. Organisiert wurde die Vortragsveranstaltung gemeinsam vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, dem House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt sowie dem Institut für Bank- und Finanzgeschichte.
Regulatorische Anforderungen sowie technologische Entwicklungen in Zeiten von Blockchain und digitalen Währungen tragen offenbar dazu bei, dass das weltweite Korrespondenzbankennetz, auf dem der private Zahlungsverkehr seit dem 19. Jahrhundert im Wesentlichen beruht, ausdünnt. Wie die Wirtschaftshistorikerin der Universität Oxford darlegte, entwickelte sich das Netz von Korrespondenzbanken nicht nur im Rhythmus globaler Handelsexpansion, sondern auch durch verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten. Beispiele für diese Entwicklung reichen vom Ausbau des überseeischen Telegraphennetzes im Zeitalter der ersten Globalisierung Ende des 19. Jahrhunderts über den Einsatz von Telex bis hin zu Glasfaserverbindungen des Internets während der zweiten Globalisierung.