11 Jun 2026

Florian Heider: „Die Zinserhöhung war unausweichlich”

Angesichts der unklaren Folgen des Ölpreisschocks wären Signale für weitere Zinsschritte verfrüht gewesen, so der SAFE-Direktor

Christine Lagarde steht vor Europaflaggen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute beschlossen, den Leitzins mit Wirkung zum 17. Juni 2026 um 25 Basispunkte zu erhöhen. Der Einlagenzins liegt damit bei 2,25 %. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 2,40 %, und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 %.

Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE sagt dazu: 

„Die Zinserhöhung war aufgrund des Ölpreisschocks unausweichlich. Mit einer Inflationsrate von 3,2 Prozent im Mai liegt die Eurozone deutlich über dem mittelfristigen Ziel von 2 Prozent. Höhere Zinsen sind deshalb das zentrale Instrument, um die Inflation einzudämmen. Die Europäische Zentralbank muss die Folgen steigender Rohstoffpreise ernst nehmen, um ihrem Mandat der Preisstabilität gerecht zu werden. 

Die wirtschaftliche Situation unterscheidet sich von der Phase hoher Inflation nach Pandemie und Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Heute ist die Nachfrage schwach und die Wirtschaft in Strukturumbrüchen. Die Folgen für die Inflation sind unklar.  Es ist daher richtig, dass die EZB derzeit keine weiteren Zinsschritte signalisiert. 

Für die europäische Wirtschaft wird dieser Schritt wenig hilfreich sein, weil die Zinserhöhung auf eine bereits schwache Konjunktur trifft. Entscheidend ist, ob die höheren Energiepreise Zweitrundeneffekte auslösen.“