Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen.
Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE, kommentiert:
„Die EZB steht derzeit vor einer schwierigen Aufgabe. Sie muss für Preisstabilität im Euroraum sorgen, obwohl die wirtschaftlichen Bedingungen in den Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich sind. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten ist es angemessen, die Zinsen erstmal unverändert zu lassen und die neuen Wirtschafts- und Inflationsprognosen im Dezember abzuwarten.
Die EZB muss sorgfältig abwägen, wie sich die letzte Zinserhöhung auf Banken, Kreditvergabe und Realwirtschaft auswirkt. Dabei geht es auch um Glaubwürdigkeit: Kurzfristiger wirtschaftlicher oder politischer Druck darf nicht dazu führen, dass die Zentralbank ihr langfristiges Ziel der Preisstabilität aus den Augen verliert.
Die zuletzt schwächere Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten deutet auf eine zurückhaltende Investitions- und Konsumbereitschaft hin. Geopolitische Spannungen und volatile Energiepreise erhöhen zusätzlich die Unsicherheit über die weitere Inflationsentwicklung. Außerdem belasten Sorgen um die Staatsverschuldung einzelner Mitgliedstaaten die Finanzmärkte. Steigende Risikoprämien auf Staatsanleihen können die Finanzierungskosten erhöhen und den Wert von Anleihebeständen mindern. Das kann auch den Bankensektor unter Druck setzen.
Sollten sich die Inflationsrisiken verfestigen, könnten weitere Zinserhöhungen notwendig werden. Bis zum Jahresende dürften die neuen Wirtschafts- und Inflationsdaten ein klareres Bild liefern. Deshalb sollte die EZB weitere Zinserhöhungen nicht vorschnell beschließen.“