Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute entschieden, den Leitzins unverändert zu lassen. Der Einlagenzins bleibt damit bei 2,00%. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 2,15% und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,40%.
Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE, kommentiert:
„Vor einem insgesamt relativ ausgewogenen Risikoumfeld hat die EZB heute die dritte Zinspause in Folge beschlossen. Zwar bleiben die durch die US-Zölle ausgelösten Handelsspannungen ein Risikofaktor, doch stehen ihnen ambitionierte Fiskalpläne in Deutschland und eine träge, aber stabile europäische Wirtschaft gegenüber. Unter diesen Bedingungen erscheint kein geldpolitischer Eingriff erforderlich. Der Einlagenzins von zwei Prozent wirkt derzeit neutral und erzeugt keinen zusätzlichen Inflationsdruck.
Eine erneute Zinssenkung im Dezember ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Angesichts einer zunehmend weniger regelbasierten, sondern unberechenbaren Wirtschaftsordnung kann jedoch ein makroökonomischer Schock eine Neubewertung der geldpolitischen Lage notwendig machen.
Parallel zur geldpolitischen Pause setzt die EZB ein Signal zur Modernisierung des Zahlungsverkehrs: Die Einleitung der nächsten Phase des digitalen Euro mit angestrebter Einführung 2029 unterstreicht die strategische Ausrichtung auf technologische Innovation und europäische Zahlungssouveränität, auch wenn die politische Einigung noch aussteht.“