Der ECB Financial Stability Review vom Mai 2026 hebt Schwachstellen des Finanzsystems im Euroraum in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit und sich wandelnder Marktdynamiken hervor. In einem Web-Seminar präsentierten Forschende der EZB neue Analysen zu den Auswirkungen von Private Credit und KI-bezogenen Investitionen auf die Finanzstabilität. Das Seminar wurde gemeinsam vom Centre for Economic Policy Research (CEPR) und SAFE organisiert und von Florian Heider (SAFE und CEPR) moderiert.
Private Credit und KI-getriebener Investitionsboom
Glenn Schepens (EZB) erläuterte die jüngsten Entwicklungen auf den globalen Private-Credit-Märkten und deren Auswirkungen auf den Euroraum. Obwohl direkte Exponierungen von Finanzinstituten im Euroraum begrenzt erscheinen, weist die Analyse auf potenzielle Ansteckungseffekte hin und unterstreicht die Notwendigkeit einer engen Überwachung des wachsenden Sektors.
Christoph Kaufmann (EZB) beleuchtete die Ursachen der starken Kapitalzuflüsse in hoch bewertete Aktienmärkte, insbesondere in US-Technologieaktien. Seine Ergebnisse deuten darauf hin, dass Erwartungen an KI-bezogene Investitionen ein wesentlicher Treiber der jüngsten Zuflüsse waren. Das erhöht das Risiko für negative Schocks und plötzliche Kapitalabflüsse in diesen Marktsegmenten.