Seit dem zuletzt veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht („Financial Stability Review“, FSR) der EZB, der die Entwicklungen von November 2021 bis Mai 2022 analysiert, haben sich die Ereignisse überschlagen: Zu den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie sind die Konsequenzen der russischen Invasion in die Ukraine hinzugekommen, die Inflation hat sowohl in der Eurozone als auch in den USA stärker als erwartet zugelegt. Trotz der veränderten Rahmenbedingungen habe die aktuelle FSR-Bewertung nichts an Substanz eingebüßt, betonte John Fell, stellvertretender Direktor der EZB-Generaldirektion „Makroprudenzielle Politik und Finanzstabilität“, am 14. Juni in einem gemeinsamen Policy Web Seminar des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE und des Centre for Economic Policy Research: „Die Aussichten für die Finanzstabilität haben sich seit November 2021 aus mehreren Gründen verschlechtert.“
Moderiert von Loriana Pelizzon, Leiterin der SAFE-Forschungsabteilung „Financial Markets“, legte Fell während der Veranstaltung dar, dass etwa die Bilanzen des Unternehmenssektors und die Immobilienpreise bereits in der Vergangenheit Anlass zur Sorge waren. „Diese Schwachstellen haben sich allerdings verstärkt“, so der EZB-Vertreter, der seit dem Jahr 2004 maßgeblich an der FSR-Erstellung beteiligt ist. Die EZB veröffentlicht den Bericht zwei Mal jährlich.