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Zu wenig Transparenz in der Altersvorsorge

Andreas Hackethal: Informationsplattform schafft dringend benötigten Rentendurchblick

Jeder kennt es von sich selbst: Die Ermittlung aller eigenen Rentenansprüche ist zeitaufwändig und kompliziert. Die Informationen zu der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersversorgung sind uneinheitlich und ergeben häufig kein Gesamtbild. Daher hat die große Mehrheit der Deutschen keinen Überblick über ihre finanzielle Absicherung im Alter. Eine neutrale Informationsplattform nach dem Vorbild Schwedens, Dänemarks und der Niederlande würde hier für individuelle Transparenz sorgen. Die akuten Herausforderungen unseres Rentensystems machen eine solche Informationsplattform absolut notwendig. Nur wenn die Bürger/innen besser einschätzen können, wie es um ihre Rente bestellt ist, können sie entsprechend vorsorgen.

Die wissenschaftliche Pilotstudie „Altersvorsorge Cockpit“ – unter Federführung des Vereins Deutsche Renteninformation und der Goethe-Universität Frankfurt – ist dieses Problem angegangen: Sie hat in einem groß angelegten Feldversuch den Nutzen aus verbesserter Rententransparenz gemessen und die technische und datenschutzrechtliche Machbarkeit einer solchen Onlineplattform überprüft.

Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Erstens, es gibt großen Bedarf an Rententransparenz in der Bevölkerung. In weniger als drei Wochen haben mehr als 40.000 Kunden zweier am Projekt beteiligter Banken auf den Link zur Studie geklickt. Mehr als 12.000 Kunden haben einen ausführlichen Fragenbogen zum Thema ausgefüllt und mehr als 7.000 haben sich schließlich auf der Plattform registriert. Zweitens ist die gewonnene Transparenz über die im Schnitt 3,6 eigenen Rentenverträge für die Teilnehmer der Studie nützlich. Fast 60 Prozent der Teilnehmer fühlen sich nach dem Blick auf ihr Altersvorsorge-Cockpit gut und vor allem besser als zuvor über ihre Rente informiert. Die Hälfte aller Teilnehmer gibt an, auf Basis des erlangten Durchblicks ihre Altersvorsorge anpassen zu wollen. Das dritte Ergebnis ist weniger erfreulich: Da es in Deutschland noch keine automatisierten Schnittstellen zu den Rententrägern gibt, mussten die Teilnehmer der Informationsplattform ihre Renteninformationen entweder in der bereitgestellten App abfotografieren, ein PDF-Dokument hochladen oder per Post einsenden. Diese Hürde war sechs von sieben Teilnehmern zu hoch.

Wenn es also in Deutschland säulenübergreifende Rententransparenz geben soll, ist entweder die Industrie durch Selbstverpflichtung oder –  wie in den meisten anderen Ländern mit bestehenden Altersvorsorge-Cockpits – der Gesetzgeber gefordert. Bürgerinnen und Bürger müssen elektronischen Zugriff auf standardisierte Renteninformationen erhalten oder diese Aufgabe delegieren können, ohne ein Maklermandat erteilen zu müssen.

Daher ist es sehr zu begrüßen, dass Kanzleramtschef Peter Altmeier in einem Interview vor wenigen Tagen in der F.A.Z. eine Renteninformationsplattform gefordert hat. Die FDP hatte eine solche Forderung bereits zuvor in ihr Wahlprogramm geschrieben. Essentiell für die Akzeptanz einer solchen Plattform sowohl von Seiten der Versicherten als auch von Seiten der Rententräger ist, dass die Plattform wettbewerbsneutral, unabhängig und natürlich IT-technisch sicher sowie auf höchsten Datenschutz bedacht arbeitet. Um die besten Lösungen für die noch offenen Umsetzungsfragen zu finden, sollte alsbald ein Prototyp entwickelt und breit getestet werden. Die oben erwähnte Pilotstudie ist hierfür eine vielversprechende Basis.  

Andreas Hackethal ist Professor für Finanzen an der Goethe-Universität Frankfurt.

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