Haushaltskrisenbarometer – Einkommen entwickeln sich trotz Coronakrise stabil

Ein halbes Jahr nach Ausbreitung des Coronavirus bleiben die meisten Haushalte in Deutschland von finanziellen Einbußen verschont / Einkommensverluste treffen nach wie vor Selbstständige und bestimmte Branchen

Diese Umfrageergebnisse liefert die aktuelle Erhebungswelle des Haushaltskrisenbarometers, das gemeinsam vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, Nielsen-Frankfurt und dem Lehrstuhl für Finanzen und Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt getragen wird.

„Für den Großteil der Menschen hat sich die Situation in den vergangenen sechs Monaten seit Beginn der Umfrage nicht weiter verschlechtert, sondern teils sogar wieder verbessert. Die Haushalte, die tatsächlich nach wie vor mit weniger Einnahmen auskommen müssen, befinden sich schon seit Ende März in dieser Lage“, sagt Roman Inderst, Professor für Finanzen und Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt. Demnach bleiben 83 Prozent der 10.800 Haushalte, die an der Erhebungswelle zum Haushaltskrisenbarometer Anfang September 2020 teilgenommen haben, von Einkommenseinbußen verschont, 17 Prozent haben mit Einkommensverlusten zu kämpfen.



Im Vergleich schlechter entwickelt haben sich die Einkommen der Haushalte, in denen die Menschen selbstständig arbeiten oder in den Branchen Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Unterhaltung und Erholung sowie Gewerbe, Handwerk und Bau angestellt beschäftigt sind. Sowohl unter den Selbstständigen als auch unter den Angestellten in den genannten Wirtschaftszweigen müssen jeweils 30 Prozent der Haushalte Einkommenseinbußen hinnehmen.

Mit Blick auf die Einkommensentwicklung in den nächsten sechs Monaten rechnen nur sieben Prozent der Haushalte gegenwärtig mit weniger Einnahmen. Die Haushalte, in denen sich die Coronakrise durch weniger Einkommen bereits bemerkbar gemacht hat, gehen im Verlauf des nächsten halben Jahres nicht davon aus, dass ihr Einkommen wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

„Nachdem die Corona-Pandemie ein halbes Jahr gewütet hat, beobachten wir, dass sich die finanzielle Lage der Haushalte nach dem ersten Schock im März 2020 weder weiter signifikant verschlechtert noch deutlich erholt hat“, fasst Andreas Hackethal, Leiter der Forschungsabteilung Household Finance bei SAFE, zusammen. „Gemessen an der Lebenswirklichkeit der Leute bestätigt sich daher, dass Deutschland bisher relativ gut durch die Krise gekommen ist.“

Über die Kooperation

Das Haushaltskrisenbarometer wird getragen von einer Kooperation des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE, Nielsen-Frankfurt und dem Lehrstuhl für Finanzen und Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt. Aktuell werden alle vier Wochen den Haushalten des Nielsen Consumer Panel Fragen gestellt. Die hohe Zahl der kontinuierlich befragten Haushalte, die hohe Zahl der Antworten (stets mehr 7.000 Haushalte) und die Möglichkeit, die Antworten mittels statistischer Verfahren repräsentativ zu machen, ergeben ein belastbares und zeitnahes Bild der wirtschaftlichen Lage, des (Konsum-)Verhaltens und der Erwartungen der gesamten Bevölkerung. Das Nielsen Consumer Panel erlaubt es auch, Umfrageergebnisse mit dem tatsächlichen Kaufverhalten zu verknüpfen, um weitere Analyse oder Vergleiche anzustellen. So kann damit analysiert werden, wie sich die erfragten Einkommensschocks bei den einzelnen Haushalten auch im Warenkorb niederschlagen.

Alle Umfrageergebnisse und Grafiken

 


Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Andreas Hackethal
Leiter der Forschungsabteilung Household Finance
E-Mail: hackethal@safe-frankfurt.de
Telefon: +49 69 798 33700