Jan Krahnen: "Die EZB peilt eine stabile Kreditversorgung an"

SAFE-Direktor sieht in der aktuellen geldpolitischen Entscheidung der Europäischen Zentralbank einen Stabilitätsanker für nationale Regierungen bei der Krisen-Bekämpfung

Der EZB-Rat hat in seiner jüngsten geldpolitischen Entscheidung weder eine Änderung der Leitzinsen noch eine weitere Aufstockung des "Pandemic Emergency Purchase Programme" (PEPP) vorgenommen. Jan Krahnen, Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE, sagt dazu:

"Mit der heutigen EZB-Entscheidung bleiben die geldpolitischen Rahmenbedingungen weitgehend unverändert – und schaffen damit eine erwartungsstabile Grundlage für die eigentlichen Krisenmaßnahmen, die dieses Mal von der Fiskalpolitik der Staaten übernommen werden.

Die Marschrichtung der EZB peilt eine stabile Kreditversorgung der Wirtschaft und eine umfangreiche Liquiditätssicherung der Banken an, solange die pandemische Krise andauert. Das Zusammenwirken von Geld- und Fiskalpolitik ist zwar nicht im Einzelnen koordiniert, es bedeutet aber eine wesentlich kraftvollere öffentliche Reaktion auf ein systemweites Risiko als in früheren Krisen.

Das ist auch ein großer Unterschied zu den Finanzkrisen der Jahre 2007 bis 2013, die im Bankensektor begannen, zu staatlichen Bankenrettungen führten und die die Wirtschaft weitgehend außen vorließen. Dieses Mal richtet sich die staatliche Fiskalpolitik mittels zahlreicher Hilfspakete ganz auf Unternehmen und Haushalte, ohne dass bisher von einer Stützung der Banken die Rede ist.

In der Gesamtschau darf allerdings nicht übersehen werden, dass die aktuelle und massive fiskalische Reaktion der Staaten eigene Stabilitätsrisiken in sich birgt, die zu kontrollieren eine formidable Herausforderung auch für die EZB werden wird."