Geld im digitalen Zeitalter: Welche Rolle sollten Zentralbanken spielen?

Agustín Carstens, Generaldirektor der BIZ, sieht in Kryptowährungen eine “Bedrohung für die Finanzstabilität” und spricht sich für regulatorische Eingriffe in diesem Bereich aus

Kryptowährungen sind derzeit eines der meist diskutierten Themen im Finanzbereich. In einer gemeinsam von SAFE, dem CFS und der Deutschen Bundesbank organisierten Veranstaltung am 6. Februar 2018 an der Goethe-Universität Frankfurt folgte Agustín Carstens dem Beispiel anderer wichtiger politischer Entscheidungsträger, die vor dem kometenhaften Aufstieg von digitalen Währungen warnten. Der ehemalige Gouverneur der mexikanischen Zentralbank drängte in der ersten großen öffentlichen Rede in seiner neuen Rolle als Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auf politische Eingriffe in diesem Bereich.

Die Kryptowährungstechnologie hat das Potenzial, das globale Finanzwesen neu zu gestalten. Ihre zukünftige Position und Rolle für die Finanzmärkte wird jedoch entscheidend davon abhängen, wie sie reguliert wird. Die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen stieg 2017 um mehr als 1.500 Prozent. Carstens machte deutlich, dass Kryptowährungen ohne angemessene politische Eingriffe und Regulierung zu einer Bedrohung für die Finanzstabilität werden könnten. Er beschrieb den Höhenflug von Bitcoin, der bekanntesten Kryptowährung, als eine Mischung aus "einer Blase, einem Schneeballsystem und einer Umweltkatastrophe", die sich negativ auf das öffentliche Vertrauen in Zentralbanken auswirken könne.

Aufbauend auf der Theorie und Geschichte des Geldes wies Carstens darauf hin, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht die Anforderungen erfüllen, "als allgemeines Zahlungsmittel und als stabile Wertanlage" verwendet zu werden. Zudem sei eine Regulierung erforderlich, um Bedenken im Zusammenhang mit dem Verbraucher- und Anlegerschutz zu begegnen. Trotz der umfangreichen Liste möglicher Nachteile betonte Carstens auch das Potenzial neuer Finanztechnologien. Im Anbetracht dessen sind seiner Meinung nach zwei Aspekte für die Aufsichtsbehörden besonders wichtig: Zum einen sollte das Verhältnis zwischen Real- und Kryptowährungen nicht "parasitär" werden, zum anderen müssten Kryptowährungen der gleichen Regulierung unterliegen wie reale Währungen.

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