"Die Zeit für mehr Integration ist gekommen"

SAFE Policy Lecture: Pentti Hakkarainen spricht über die Zukunft der Bankenunion

Eine Währungsunion ohne gemeinsame Bankenpolitik ist unvollständig. Diese Einschätzung wurde den europäischen Entscheidungsträgern deutlich, als die Finanzkrise zu einer europäischen Staatsschuldenkrise wurde. Es bedurfte jedoch der Erfahrung der Krise der Eurozone von 2012, bevor das Konzept der Bankenunion politisch akzeptabel wurde. Seit November 2014 werden die größten Banken von einer gemeinsamen Institution, dem Single Supervisory Mechanism (SSM) der Europäischen Zentralbank (EZB), überwacht. Was wurde bisher erreicht? Und was sind die Herausforderungen für die Zukunft? Pentti Hakkareinen, Mitglied des Aufsichtsrats des SSM und Vertreter der EZB in der Behörde, sprach bei einer SAFE Policy Lecture am 19. Juni im House of Finance über die Perspektiven der Bankenunion für weitere Konsolidierung und Integration.

Hakkarainen erläuterte zunächst die beiden Hauptziele der Europäischen Bankenaufsicht. Er sagte, dass sich der SSM erstens um finanzielle Stabilität kümmere. "Daher ist eine strenge und vorausschauende Aufsicht der Kreditinstitute erforderlich", sagte Hakkarainen. Er wies darauf hin, dass zu diesem Zweck eine Identifizierung relevanter Risiken, eine faire und konsistente Bewertung der Risiken und ein rechtzeitiges und hartes Eingreifen bei der Feststellung von Mängeln entscheidend seien. Zweitens besteht ein wesentliches Ziel der Europäischen Bankenaufsicht in der weiteren finanziellen Integration mit dem Ziel, für die Banken gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Für die Gleichbehandlung von Kreditinstituten ist es laut Hakkarainen entscheidend, den Aufsichtsrahmen in allen teilnehmenden Ländern anzuwenden, harmonisierte Aufsichtsmethoden und -standards zu entwickeln und die Qualität der Aufsichtspraktiken zu überprüfen und Benchmarks zu erstellen, um bewährte Verfahren und Bereiche für Verbesserung zu identifizieren.

EDIS: Haftung und Kontrolle in Einklang bringen

Er wies darauf hin, dass die Europäische Bankenaufsicht eine der größten Bankenaufsichtsbehörden der Welt ist: Derzeit unterstehen 126 Bankengruppen in 19 Ländern der direkten Aufsicht der EZB, rund 3.500 kleinere Institute werden direkt von den zuständigen nationalen Behörden beaufsichtigt. Er forderte, die Europäische Einlagensicherung (EDIS) zu schaffen, um die Bankenunion zu vollenden. "Dies wird dazu beitragen, die Risiken im Euroraum nach einer parallelen Risikoreduzierung effizienter zu teilen", sagte er. Hakkarainen erklärte, dass EDIS auch die Haftung und Kontrolle zwischen der nationalen und der europäischen Ebene in Einklang bringen werde. Er ist überzeugt, dass die Eurozone mit einer vollendeten Bankenunion noch stärker als bisher zu einem gemeinsamen Rechtsraum wird. "Dies wird es den Banken erleichtern, grenzüberschreitend Geschäfte zu machen, und dem Sektor die Konsolidierung voranzutreiben", sagte Hakkarainen.

Mit einigen Indikatoren wie einer rückläufigen Quote notleidender Kredite, der Entwicklung des harten Kernkapitals (CET1) oder einer höheren strukturellen Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio) bekräftigte Hakkarainen, dass sich der europäische Bankensektor Ende 2017 in einer besseren Lage befand als 2014. Allerdings müssten die Banken die Weichen auf höhere Profitabilität stellen, indem sie ihre Geschäftsmodelle anpassen und gleichzeitig die Einnahmen steigern und Kosten senken. "Dabei müssen sie das Risikomanagement aufrechterhalten und weiterentwickeln und die Grundsätze guter Unternehmensführung weiter stärken", sagte er. Hakkarainen sagte auch, dass die Banken ihre Bilanzen bereinigen und die notleidenden Kredite reduzieren sollten. Seiner Ansicht nach sind die institutionelle Weiterentwicklung, die technologische Evolution als Treiber und die Marktbedingungen, die Anreize setzen für eine Konsolidierung, wichtige Faktoren für den Fortschritt der Bankenunion. "Dies bedeutet, dass die Zeit für mehr Integration gekommen ist, und dies ist gut für die Wirtschaft und die Gesellschaft", sagte er.