Auswertungen der einzelnen Umfragerunden


Auswertungen der fünften Welle des Haushaltskrisenbarometers mit neuen Fragen (23.5.2020)

Mittlerweile liegt bereits die fünfte Welle der zweiwöchigen Umfrage unter den Haushalten des Nielsen Consumer-Panels vor, aktuell mit deutlich über achttausend Antworten. Damit liegen für alle Fragen, so auch zur Einkommensentwicklung und Einkommenserwartung, belastbare und vor allem bundesweit repräsentative Informationen zur aktuellen Lage Entwicklung vor. Die Auswertung aller Fragen finden sich als Schaubilder hier. Mithilfe des erweiterten Datenkranzes im Panel können die Ergebnisse stets repräsentativ "hochgerechnet" werden. Bezeichnend ist in Hinblick auf die wirtschaftliche Lage und auf die Erwartungen der Haushalte, dass sich das Gesamtbild wenig verändert hat: Die überwiegende Mehrheit der Haushalte ist in ihrem Einkommen von der Krise nicht betroffen (aktuell 81 %) und von denjenigen, die nicht betroffen sind, erwartet auch die überwiegende Mehrheit keine Veränderungen (aktuell 85 %). Insgesamt erwarten aktuell auch nur 10 % eine (weitere) Abnahme ihres Einkommens (gegenüber 17 % Anfang April), was nun bereits wiederholt unter dem Anteil derjenigen liegt, die eine Verbesserung erwarten (15 %).

Kündigungserwartungen

Ergänzend liegen nun auch zum ersten Mal Aussagen zu den Kündigungserwartungen bei abhängig Beschäftigen vor. Aktuell ist der Anteil der Haushalte, die seit Ausbruch der Krise eine betriebsbedingte Kündigung erhalten haben, auch gerade im internationalen Vergleich vernachlässigbar (unter 1 %). Für die nächsten drei Monaten gehen nur 6% aller Beschäftigten davon aus, dass sie mit einer mehr als geringfügigen Wahrscheinlichkeit eine Kündigung erhalten werden. Weitere 9% rechnen mit einer geringfügigen Wahrscheinlichkeit, ihren Job zu verlieren (Bild 1).

 

 

Abbildung 1: Kündigungserwartungen bei abhängig Beschäftigten.
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Allerdings maskiert dieses insgesamt optimistisch stimmende Bild erhebliche Unterschiede. So sind seit Anfang der Krise fast ein Fünftel der abhängig Beschäftigten in Freistellung oder Kurzarbeit. Und nur 64 % dieser Haushalte rechnen damit, dass sie in den nächsten drei Monaten keine Kündigung erhalten, während 8 %, und daher doppelt so viele wie bei allen abhängig Beschäftigten, davon mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgehen. Noch deutlicher hat sich die Krise bei den befragten Selbständigen niedergeschlagen. Bereits Anfang April gaben 41 % an, dass sie ihren Geschäftsbetrieb unterbrechen mussten. Und ein Drittel hatte bereits staatliche Unterstützung beantragt oder erhalten. Die wiederholten Auswertungen der Umfragen legen allerdings nahe, dass eine undifferenzierte vermeintliche Ankurbelung der Binnennachfrage etwa durch sog. "Helikopter-Geld" nicht angebracht ist. Für die überwiegende Mehrheit deuten die aktuelle Einkommensentwicklung, die Einkommenserwartung sowie die Aussagen zum Sparen und Konsum darauf hin, dass sie sich dann, wenn sich entsprechende Konsummöglichkeiten wieder bieten, nicht anders verhalten als vor der Krise. Dies kann sich natürlich ändern, wenn die Überbrückungen durch insbesondere Kurzarbeit nicht mehr bestehen und Haushalte, entgegen ihrer Erwartung, arbeitslos werden.


Auswertung vom 10.5.2020: Auch die dritte Welle des Haushaltskrisenbarometers stützt nicht die Forderungen nach weitreichenden Programmen für eine Stärkung der Binnennachfrage

Bereits früh haben die Ergebnisse des Haushaltskrisenbarometers gezeigt, dass die Corona-Krise sich sehr ungleich auf die deutschen Haushalte auswirkt: Einer stark betroffenen Gruppe, insbesondere die Selbständigen, steht eine überwiegende Mehrheit von aktuell finanziell wenig bis gar nicht betroffenen Haushalten gegenüber.

Auch die jüngste Welle des Haushaltskrisenbarometers (1. bis 4. Mai) zeigt, dass der Anteil der Haushalte, die seit Beginn der Krise eine Abnahme des Einkommens zu verzeichnen hatte, unverändert bei 17 % - 18 % liegt. Der Anteil der Haushalte, die eine (weitere) Verschlechterung erwarten, ist sogar deutlich gesunken und liegt nun mit 12 % unter dem Anteil derjenigen, die hingegen eine Verbesserung erwarten (14 %).

Abbildung 1: Erwartete Einkommensentwicklung

Während in den letzten Wochen der tatsächliche Konsum zwangsläufig zurückgehen musste, wenn auch nicht in allen Bereichen (siehe hierzu die Auswertung der Warenkörbe in den letzten Wochen), bestätigen die verschiedenen Wellen der Umfrage nicht die Befürchtung, dass die Binnennachfrage nachhaltig einbrechen wird. So geben aktuell deutlich weniger Haushalte als zuvor an, dass sie seit Anfang der Corona-Krise größere Anschaffungen ganz gestrichen oder aber verschoben hätten: Nun halten 62 % der Haushalte an ihren vormaligen Plänen fest, gegenüber 54 % Anfang April. Entsprechende geplante Anschaffungen haben nur 12 % ganz gestrichen.

Abbildung 2: Pläne für Anschaffungen über 250 Euro.
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Diesen Ergebnissen entsprechend ist auch wenig „Vorsichtssparen“ zu beobachten. Durchgehend geben drei Viertel der Haushalte an, ihr Sparverhalten überhaupt nicht geändert zu haben. Gerade bei den Haushalten ohne Einkommensänderungen geben weniger als 10 % an, mehr sparen zu wollen als vorher.

Deutsche Haushalte immer weniger durch die Corona-Krise verunsichert und immer weniger bereit, ihr Verhalten einzuschränken

Die Umfrageergebnisse der bislang vier Befragungswellen (die letzten drei mit Fragen zu Beschäftigung und Einkommen) seit Ende März zeigen, wie nach dem ersten Schock die Verunsicherung der deutschen Haushalte kontinuierlich abnimmt und sie immer weniger bereit sind, ihr Verhalten einzuschränken.

So fühlten sich bei der jüngsten Befragungswelle (Feldphase: 1. bis 4. Mai) nur noch 38 % der Haushalte in Deutschland durch den Corona-Virus verunsichert. Bei der ersten Befragungswelle Ende März waren dies noch fast die Hälfte der Haushalte. Noch deutlicher ist die Veränderung beim erfragten Verhalten: Ende März gaben noch über drei Viertel (78 %) der Haushalte an, die Öffentlichkeit zu meiden, jetzt sank der Anteil um 20 Prozentpunkte auf 58 %. In den östlichen Bundesländern ist der Anteil sogar noch deutlich niedriger, wie mit 50 % in Sachsen und Thüringen.

Abbildung 3: Meidung der Öffentlichkeit und Verunsicherung aufgrund des Corona-Virus.
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Ausdruck findet diese Haltung auch bei der Nutzung des Homeoffice. Von den Befragten, die das Homeoffice prinzipiell nutzen können, arbeiten nur noch weniger als die Hälfte ausschließlich dort. Mehr als ein Drittel (34 %) nutzen nun das Homeoffice teilweise neben dem regulären Arbeitsplatz, während dies Ende März nur 23 % machten. 

Abbildung 4: Homeoffice-Nutzung.
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Auswertungen vom 30.4.2020: Bekennen sich die Deutschen nicht gerne zur Bevorratung? Und gibt es nicht nur in den Corona-Zahlen einen Ost-West Unterschied?

Bekennen sich die deutschen Haushalte nicht gerne zur Bevorratung?

Das Nielsen Consumer Panel erlaubt es, Umfrageergebnisse mit dem tatsächlichen Kaufverhalten zu verknüpfen, um weitere Analyse oder Vergleiche anzustellen. So kann damit analysiert werden, wie sich die erfragten Einkommensschocks bei den einzelnen Haushalten auch im Warenkorb niederschlagen.

Für die aktuelle Analyse steht allerdings eine andere Frage im Vordergrund: Ein Vergleich der Aussagen zur Bevorratung mit dem tatsächlichen Einkaufsverhalten.

Ausgangspunkt hierfür ist die erste unserer Befragungsrunden Ende März (20.03. – 30.03.2020). Die Aussagen der knapp 8.900 Haushalte zur Bevorratung können nun mit ihrem tatsächlichen Einkaufsverhalten im März verglichen werden.

Lediglich 30 % der Haushalte geben an, sich überhaupt bevorratet zu haben. Diese und die nachfolgenden Angaben sind wie immer hochgerechnet, um eine Repräsentativität für die Grundgesamtheit aller deutschen Haushalte sicherzustellen. Das Consumer Panel erlaubt es, für jeden der befragten Haushalte das tatsächliche Einkaufsverhalten zu ermitteln.

Hier zeigt sich, wie zu erwarten ist, bei allen Vorratsprodukten eine enorme Steigerung der Ausgaben zwischen Februar und März. Konkret steigen die Ausgaben für leicht zu bevorratende Lebensmittel wie Fertiggerichte und Nudeln, aber auch für Papierhygieneprodukte, um deutlich mehr als 50 % an.

Interessant ist nun, dass der Anstieg nicht merklich verschieden ist zwischen den Haushalten, die angaben, dass sie auf Vorrat gekauft haben, und denen, die ihren eigenen Angaben zufolge keine Bevorratung vorgenommen haben (Tabelle 1). Beispielsweise ist der Anstieg der Ausgaben bei Nudeln mit 53 % sogar leicht höher bei den Haushalten, die sich angeblich nicht bevorratet haben.

 

Haushalte, die sich den eigenen Angaben nach ...

…bevorratet haben

… nicht bevorratet haben

Papierhygiene

63%

48%

Toilettenpapier

71%

59%

Nudeln

43%

53%

Fertiggerichte

65%

46%

Tabelle 1: Steigerung der Ausgaben in März im Vergleich zum Februar für unterschiedliche Produktkategorien.

Besonders plakativ zeigt sich die Diskrepanz zwischen den Angaben zur Bevorratung und den deutlich erhöhten Ausgaben bei Toilettenpapier. Von den 30 % der Haushalte, die angaben, sich bevorratet zu haben, gaben wiederum lediglich 40 % an, mehr Toilettenpapier zur Bevorratung gekauft zu haben. Insgesamt hätten damit ihren eigenen Angaben zufolge nur 12 % der Haushalte Toilettenpapier zur Bevorratung gekauft. Die tatsächlichen Ausgaben stiegen aber von Februar auf März um deutlich über 50 % an – und zwar auch bei denjenigen Haushalten, die angaben, generell keine Bevorratung vorgenommen zu haben.

Nun kann es sein, dass Haushalte, die im März deutlich mehr kauften als im Februar, dies nicht als besondere Bevorratung wahrgenommen haben. Auch wenn dem so ist, so wäre die alleinige Analyse der Umfrageergebnisse nicht aussagefähig gewesen: Man hätte die tatsächlich über alle Haushalte erheblich angestiegenen Einkäufe schlicht unterschätzt.

Die erhebliche Diskrepanz zwischen den beobachteten Veränderungen im Warenkorb und der Antwort auf die Frage, ob ein Haushalt sich bevorratet hat, legt allerdings nahe, dass viele Haushalte sich nicht gerne in der Bevorratungsrolle sehen. Bevorratung scheint demnach etwas zu sein, zu dem sich die deutschen Haushalte nicht gerne bekennen. Dies bestätigt auch die Antwort auf die Frage nach dem Grund der Bevorratung, die den 30 % der Haushalte gestellt wurden, die angaben, sich bevorratet zu haben. Zwar gaben rund die Hälfte davon an, der Grund läge in der eigenen möglichen Erkrankung oder aber einer Quarantäne. Rund ein Drittel sahen aber auch den Grund im Verhalten der anderen – daher in der Bevorratung anderer Haushalte, die möglicherweise einen Engpass erzeugen könnte. 

Ost und West entwickeln sich auseinander in der Haltung zur Corona-Krise

In Sachsen und Thüringen finden aktuell 40 % die Presseberichterstattung zur Corona-Krise übertrieben, in Baden-Württemberg nur 26 %. Dies ist eine erhebliche Diskrepanz. Wie Abbildung 1 zeigt, war dies vor drei Wochen noch anders, als der Anteil gleichauf bei einem Viertel lag. (Anmerkung: Wie in den nachfolgenden Darstellungen sind teils mehrere Bundesländer, hier Sachsen und Thüringen, zu sog. Nielsen-Gebieten zusammengefasst.)

Abbildung 1: Einstellung zu Presseberichten.
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Einen ähnlichen, wenn auch etwas weniger ausgeprägten Verlauf gibt es auch im Hinblick auf die Bereitschaft, die Öffentlichkeit zu meiden. Diese geht im gesamten Bundesgebiet zurück, allerdings besonders deutlich wieder in den östlichen Bundesländern, so beispielsweise in Sachsen und Thüringen, wo aktuell nur noch 55 % angeben, die Öffentlichkeit zu meiden (Abbildung 2). Dies liegt aber anscheinend nicht an einer deutlich anders wahrgenommenen individuellen Gefährdung. Denn aktuell machen sich nur 42 % der Deutschen Sorgen um ihre Gesundheit – und diese Zahl variiert nur geringfügig zwischen den Bundesländern.

Abbildung 2: Meidung der Öffentlichkeit.
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Die erhebliche aktuelle Diskrepanz in der Einstellung zu den Presseberichten, aber auch in der Bereitschaft, die Öffentlichkeit zu meiden, könnten wesentlich auf den unterschiedlichen Corona-Fallzahlen beruhen: So hat Baden-Württemberg aktuell fast dreimal so hohe amtlich registrierte Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner wie Sachsen oder Thüringen. Allerdings bleibt über alle Fallzahlen hinweg ein deutlicher Ost-West Unterschied bestehen. Dies zeigt Abbildung 3. Hier stellen die Regionen 1 bis 5 ausschließlich westliche Bundesländer dar. Während auch hier eine erhebliche Divergenz in den Fallzahlen besteht, ist diese in der Haltung gegenüber der Presse deutlich weniger ausgeprägt. Nur die Regionen 6 und 7, die die östlichen Bundesländer umfassen (einschließlich Berlin in Region 7), weisen einen deutlichen Unterschied auf, insbesondere Sachsen und Thüringen. Mittlerweile haben dort bereits 40 % die Auffassung, die Presse übertreibe in Sachen Corona.

Abbildung 3: Haltung gegenüber Presseberichten Corona-Fallzahlen.
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Auswertung 17. – 20. April: Haushalte weitaus weniger besorgt um ihre wirtschaftliche Lage und Gesundheit als aktuelle Medienberichte vermuten lassen

Die Auswertung der dritten Welle (17. – 20. April) des Haushaltskrisenbarometers, an der wieder deutlich über 7.000 Haushalte teilgenommen haben, bestätigt damit nicht die aktuellen Medienberichte zu zunehmenden wirtschaftlichen Ängsten der Haushalte.

Zudem macht sich im Vergleich zu den letzten beiden Wellen nur noch ein geringerer Anteil der befragten Haushalte Sorgen um seine Gesundheit (42 % gegenüber 48 % vor 4 Wochen) und ein deutlich geringerer Anteil gibt an, die Öffentlichkeit zu meiden (64 % gegenüber 78 % vor vier Wochen und 74 % vor zwei Wochen). Dies spiegelt sich auch wider in einem wachsenden Anteil derjenigen, die nur noch teils, nicht aber mehr vollständig, in Heimarbeit sind.

Wirtschaftliche Lage und Zukunftserwartungen

Unbestreitbar sind viele Unternehmen und insbesondere ganze Branchen in eine teils erhebliche wirtschaftliche Schieflage geraten. Dies zeigt auch das Haushaltskrisenbarometer: Nach wie vor verzeichnet mehr als ein Drittel der befragten Selbständigen eine Geschäftsunterbrechung. Über die Hälfte der Selbständigen (56 %) hat bereits teils deutliche Einkommenseinbußen erlitten und mehr als ein Drittel (35 %) erwartet (weitere) Einbußen auch in den nächsten sechs Monaten.

Die Lage bei den abhängig Beschäftigten und insbesondere auch den Haushalten, die nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen, ist allerdings weitaus differenzierter. Dies wurde bereits bei der Auswertung der letzten Runde (3. – 6. April) deutlich. Auch jetzt haben überhaupt nur 17 % aller Haushalte Einkommenseinbußen gegenüber dem Niveau vor der Krise erlitten. Unter den Erwerbstätigen ist der Anteil höher, liegt aber immer noch unter einem Viertel (24 %). Dieser Anteil ist fast vollständig durch Kurzarbeit zu erklären (19 % geben an, in Kurzarbeit oder freigestellt zu sein).

Unter allen Haushalten ist allerdings der Anteil derer, die (weitere) Einkommenseinbußen in den nächsten sechs Monaten erwarten, mit 13 % nicht höher als der Anteil derer, die Einkommenssteigerungen erwarten. Und 73 % erwarten gar keine Änderung ihres Einkommens (mehr) in den nächsten sechs Monaten.

Gerade die Einkommenserwartungen können damit nicht das düstere Bild bestätigen, das zur Zeit in manchen Medienberichten, auch unter Berufung auf andere Umfragen, gezeichnet wird. Auch die nachfolgend dargestellten Ergebnisse zur Konsum- und Sparneigung lassen eine weitaus weniger dramatische Lage vermuten. Diese scheinbare Differenz ist allerdings einfach erklärbar, da in der Berichterstattung oft der dramatische Kontrast aktueller Umfrageergebnisse gegenüber der Zeit vor Mitte März im Vordergrund steht. Dieser Einbruch von Erwartungen mit Beginn der Krise ist in der Tat eine Besonderheit der aktuellen Situation, etwa auch im Vergleich zur Finanzkrise von 2008/9. Dies zeigt sich beispielsweise auch beim GfK-Konsumklimaindex, über den die Medien vor kurzem berichtet haben. Für diesen wird unter anderem eine ähnlich gelagerte Frage nach der Einkommensentwicklung gestellt und zu einem Teilindex verarbeitet. Während dieser im Vergleich zu den Vormonaten enorm einbrach, liegt der Index noch deutlich über den Werten in der Finanzkrise.

Spar- und Konsumneigung

Da die Mehrheit der Haushalte weder Einkommenseinbußen erlitten hat noch in den nächsten sechs Monaten solche befürchtet, hat sich auch die Sparneigung nicht verändert. Es lassen sich keine Anzeichen dafür erkennen, dass die Haushalte aktuell etwa aus Angst um die Zukunft mehr sparen.

Konkret, und fast unverändert zur letzten Befragung von vor zwei Wochen, nehmen 77 % der Haushalte keine Änderungen an ihrem Sparverhalten vor, 13 % sparen einen kleineren und 9 % einen größeren Anteil ihres Einkommens.

Abbildung 1: Sparneigung.
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Schlüsselt man dies genauer auf, so liegt bei dem Teil der Bevölkerung, der keine Einkommenseinbußen erlitten hat, der Anteil mit gleicher Sparneigung sogar bei 82 %. Einen kleineren Anteil sparen dagegen insbesondere diejenigen Haushalte, die starke Einkommenseinbußen erlitten haben (so fast die Hälfte der Haushalte mit Einkommenseinbußen von mehr als 20 %).

Sorgen um die Gesundheit und Verunsicherung

Weniger als die Hälfte der Haushaltsvorstände (42 %), die im Nielsen Consumer Panel befragt und auf die deutsche Bevölkerung hochrechnet werden, gibt an, sich um seine Gesundheit Sorgen zu machen. Vor vier Wochen lag der Anteil noch bei 48 %. Von den unter 40-Jährigen geben nur rund 34 % an, sich um ihre Gesundheit Sorgen zu machen. Zwar ist die Sorge bei älteren Haushaltsvorständen ausgeprägter, liegt allerdings immer noch nur bei knapp 47 %. Auch die allgemeine Verunsicherung sinkt deutlich: Nur noch 40 % der Haushaltsvorstände stimmten nun der Aussage zu, dass der Corona-Virus sie sehr verunsichert, im Vergleich zu 49 % vor vier Wochen.

Mit der sinkenden Angst um die Gesundheit geht auch eine geringere Bereitschaft einher, Kontakte zu anderen zu vermeiden. Ein deutlich kleinerer Anteil unter den Befragten als zuvor gibt nun noch an, die Öffentlichkeit zu meiden (64 % gegenüber 78 % vor vier Wochen und 74 % vor zwei Wochen).

Abbildung 2: Meidung der Öffentlichkeit.
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Im Einklang damit nimmt seit vier Wochen der Anteil derjenigen zu, die zwar in Heimarbeit sind, aber nicht ausschließlich – auf Kosten des Anteils derjenigen, die aktuell nur von zu Hause aus arbeiten.

Abbildung 3: Homeoffice-Nutzung.
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Bevorratung: Was sagt der Warenkorb und was sagen die Haushalte? Auswertung 17. April

Während eine neue Auswertung des gesamten Fragebogens erst nächste Woche erfolgt, kann nun zum ersten Mal eine Auswertung der tatsächlich erfolgten Einkäufe des gesamten Consumer Panel mit seinen rund 20.000 Haushalten erfolgen.

Konkret konnten hierfür die tatsächlichen Einkäufe für Güter des täglichen Bedarfs für zwei vergleichbare Zeitabschnitte ermittelt werden. Lokalisiert man die erhöhte Wahrnehmung der Corona-Krise in die letzte Februar Woche, so sind die vier Wochen davor (27. Januar bis 23. Februar) noch „coronafrei“. Die Einkäufe in diesen vier Wochen werden nachfolgend mit denjenigen in den anschließenden vier Wochen (24. Februar bis 22. März) verglichen.

Dabei ist ein deutlicher Anstieg der Ausgaben für die Güter des täglichen Bedarfs festzustellen. Nach entsprechender Hochrechnung, um die Repräsentativität herzustellen, ergeben sich damit über alle deutsche Haushalte hinweg die folgenden Änderungen. Im Vergleich zum (vierwöchigen) Vor-Corona-Zeitraum stiegen die Ausgaben für Güter des täglichen Bedarfs um 17,9 % an (genauer von durchschnittlich rund 292 Euro auf 344 Euro).

Dass dieser Anstieg auf eine Bevorratung zurückgeht, zeigt sich bei einer genaueren Aufschlüsselung. So stiegen die Ausgaben für frische Lebensmittel nur um rund 10 %, die für haltbare Lebensmittel aber um 20 %.  Besonders deutlich war der Anstieg bei Drogerieartikel, bei denen der Anstieg sogar knapp 25 % betrug.

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In der Befragungsrunde vom 20. bis 30. März wurden die Haushalte zudem zu ihrer Bevorratung detailliert befragt. Selbst Ende März gaben aber nur 29 % der Haushalte an, dass sie sich mit Lebensmittel oder anderen Produkten bevorratet haben. Werden die Haushalte detaillierter nach einzelnen Produkten gefragt, so sind die Antworten noch verblüffender: Demnach hätten selbst von denjenigen Haushalten, die angaben, sich bereits bevorratet zu haben, nur 40 % dies auch bei dem viel genannten Toilettenpapier getan, sodass, nimmt man alle Angaben zusammen, lediglich 12 % aller Haushalte sich bis Ende März konkret bei Toilettenpapier bevorratet hätten.

Stellt man dies dem erheblichen Anstieg der gesamten Ausgaben bei Drogerieprodukten gegenüber, so ist es naheliegend, dass Haushalte den erhöhten Einkauf nicht als „Bevorratung“ wahrnehmen, oder aber dies nicht so wahrnehmen oder kundgeben wollen. Für Letzteres spricht auch, dass ein großer Teil derjenigen Haushalte, die angibt sich bevorratet zu haben, den Grund in der Bevorratung anderer sieht. Genauer: Über ein Drittel gibt an, dass die vermutete Bevorratung anderer und damit wohl eine befürchtete Verknappung der Grund ihrer eigenen Bevorratung sei.

Mehr Licht darauf wird eine konkrete Gegenüberstellung der tatsächlichen Einkäufe mit den Antworten liefern können, was durch die Besonderheiten des Haushaltskrisenbarometers in den nächsten Wochen geleistet wird.


Corona-Krise trifft Haushalte sehr unterschiedlich: Auswertung 9. April

Die vom 20.-30. März und 3.-6. April 2020 durchgeführten Befragungen ergeben folgendes Bild. Aktuell zeigt sich der Großteil der Bevölkerung noch wenig wirtschaftlich betroffen von der Corona-Krise. 81% der Bevölkerung registrieren keine Veränderung im Einkommen, gegenüber 17%, deren Einkommen gesunken ist im Vergleich zur Zeit vor der Krise (Abbildung 1).

Abbildung 1: Aktuelle Einkommensentwicklung.
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Der überwiegende Anteil der Bevölkerung  (72%) erwartet, dass sich sein Einkommen in den nächsten sechs Monaten nicht verändern wird. Diese Zahlen spiegeln auch die Antworten nach der Änderung der Erwerbsumstände wider: 17% der abhängig Beschäftigten befinden sich demnach in Kurzarbeit oder sind freigestellt. Das Bild wird allerdings deutlich anders, wenn man auf die Gruppe der Selbstständigen fokussiert. Von diesen registrieren 41% eine Geschäftsunterbrechung, auch aufgrund gesetzlicher Maßnahmen, und rund ein Drittel hat bereits Hilfsmaßnahmen beantragt oder schon erhalten (Abbildung 2). 

Abbildung 2: Erwerbsumstände von Selbstständigen.
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Weitere Details und Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung finden sich in der umfassenden Auswertung aller bisherigen Fragerunden. Dort werden auch Fragen zum allgemeinen Verhalten und Befinden analysiert. So hat aktuell nur die Hälfte der Bevölkerung Angst um ihre Gesundheit und nur der gleiche Anteil zeigt sich auch durch das Corona-Virus verunsichert.