SAFE Policy Blog

Wünschenswert in der Bankenaufsicht: eine bessere Kommunikationskultur

In einem neuen SAFE White Paper analysieren Martin R. Götz, Tobias H. Tröger und Mark Wahrenburg die künftigen aufsichtsrechtlichen Herausforderungen der Bankenregulierung in Europa

Die Finanzkrise und die europäische Staatsschuldenkrise haben erhebliche Defizite des regulatorischen Rahmens für den europäischen Bankensektor aufgezeigt. Um die Regulierung zu harmonisieren und die Widerstandsfähigkeit der Finanzinstitute in Europa zu stärken, griff die Europäische Union zu verschiedenen Maßnahmen, die zur Bankenunion und zu einer Supranationalisierung der Bankenregulierung in den teilnehmenden Mitgliedsstaaten führten. Vor allem die Supranationalisierung der Aufsichtsbefugnisse und die direkte Aufsicht großer europäischer Banken im Rahmen des am 4. November 2014 in Kraft getretenen Einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism, SSM) stellen eine große Veränderung im europäischen Bankensektor dar.

Im White Paper "The Next SSM Term: Supervisory Challenges Ahead" analysieren die Autoren Martin R. Götz, Tobias H. Tröger und Mark Wahrenburg die ersten fünf Jahre der direkten Aufsicht, indem sie Unterschiede in der Entwicklung der direkt beaufsichtigten Banken und Bereiche für weitere Verbesserungen aufzeigen. Das White Paper wurde im Auftrag des Ausschusses für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments erstellt und zur Vorbereitung der öffentlichen Anhörung des neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Europäischen Zentralbank (EZB), Andrea Enria, am 21. März 2019. 

In einem ersten Schritt untersuchen die Autoren öffentlich zugängliche Daten für die Geschäftsjahre 2014 und 2017 zu Bilanzpositionen europäischer Banken unter direkter Aufsicht der EZB. Die Autoren stellen fest, dass Banken, die nach dem  Asset Quality Review (AQR) mit schwächeren Kapitalpuffern in die direkte EZB-Aufsicht eintraten, ihre Widerstandsfähigkeit offenbar nicht wesentlich erhöht haben. Während alle direkt beaufsichtigten Banken ihren Anteil an notleidenden Krediten im Zeitraum 2014 bis 2017 im Durchschnitt reduziert haben, zeigt die Analyse einige Unterschiede zwischen den Banken: Insbesondere Kreditinstitute mit einem relativ niedrigen Kapitalisierungsgrad im Jahr 2014 (und damit einem potenziell stärkeren Aufsichtsfokus) hatten 2014 einen hohen Anteil an notleidenden Krediten und weisen auch 2017 noch einen relativ hohen Anteil an Problemkrediten auf. Dies sei umso beunruhigender, als dass insbesondere Banken mit niedrigem Kapitalpufferniveau von mehr notleidenden Krediten betroffen zu sein scheinen – auch wenn die EZB in den letzten Jahren immer wieder ihren Fokus auf das Kreditrisiko betont hat und besonderen Wert auf die Notwendigkeit legt, das Niveau der notleidenden Kredite zu senken.

Informationsaustausch über Details interner Modelle

Die Autoren ermutigen die Aufsicht, sich für eine bessere Kommunikationskultur mit den Banken und der Öffentlichkeit einzusetzen. Sie argumentieren, dass die Bankenaufsicht potenziell ihren Nutzen für die Gesellschaft erhöhen könnte, wenn sie sich stärker öffnen und ihre Prozesse transparenter machen sowie Banken ein besseres aufsichtsrechtliches Feedback geben würden. Beispiele für solche Verbesserungen in der Kommunikation können nach Ansicht der Autoren aufsichtsrechtliche Erhebungen in Bereichen wie der Bewertung von Cyberrisiken oder der Bekämpfung von Geldwäsche sein, sowie mehr aufsichtsrechtliche Forschung und der Informationsaustausch über Details interner Modelle.

Um die Finanzstabilität zu fördern, müssen die Aufsichts- und Abwicklungsbehörden reibungslos und widerspruchsfrei zusammenarbeiten und zuverlässige Prozesse einführen. Die Autoren sind der Auffassung, dass der größte Bedarf an kontinuierlicher Koordination im Bereich der Abwicklungsplanung und der Mindestanforderungen an Eigenmitteln und wandelbarem Fremdkapital (MREL) besteht. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass eine angeschlagene Bank jederzeit ohne Steuergelder aufgelöst werden kann, ohne die Finanzstabilität zu gefährden. Die ständige und zeitgemäße Verordnung von verlusttragendem Kapital ist auch von entscheidender Bedeutung um Marktdisziplin zu etablieren und führt zu einem stabileren Bankensystem. Investoren werden das Bankenrisiko nur dann entsprechend bewerten, wenn sie ein Eigeninteresse haben und bei einer Insolvenz potenziell Kosten tragen müssen. 

Lesen Sie hier das vollständige White Paper.


Anastasia Kotovskaia ist Research Assistant im SAFE Policy Center und arbeitet derzeit an einer rechtswissenschaftlichen Promotion an der Goethe Universität.

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