SAFE Policy Blog

Vier Maßnahmen für ein stabiles Rentensystem

Alexander Ludwig: Demographische Entwicklung macht fundamentale Reformen notwendig

In Deutschland finden derzeit Koalitionsverhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung für die kommenden vier Jahre statt. Eines der zentralen Themen, mit dem sich diese Regierung beschäftigen wird, ist eine fundamentale Reform des deutschen Rentensystems. Aufgrund der demographischen Entwicklungen werden wir in 2040 Beitragsraten von bis zu 25 Prozent und einen Rückgang des Nettorentenniveaus um bis zu 36 Prozent erleben, wenn in den nächsten Jahren keine wesentlichen Reformen stattfinden. Rentenszenarien, die während des Wahlkampfs angeführt wurden und auf Berechnungen bis lediglich 2030 beruhen, bilden die anstehenden Herausforderungen nur unzureichend ab.

Hier sind vier Maßnahmen, die umgesetzt werden sollten:

Zuallererst muss das Renteneintrittsalter mit der Lebenserwartung verknüpft sein, sodass das Verhältnis von Lebenszeit in Arbeit zu Lebenszeit in Rente im Durchschnitt konstant bleibt. Weiterhin sollte das Renteneintrittsalter keine strikte rechliche Vorgabe mehr sein, sondern vielmehr als Anhaltspunkt für Zu- und Abschläge dienen. Sollte die abschlagsfreie Rente nach derzeit 45 Beitragsjahren beibehalten werden, so muss auch diese Anzahl der Beitragsjahre der Lebenserwartung angepasst werden.

Zweitens sollte diese Maßnahme von einer steuerfinanzierten Mindestrente auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes (ALG II) begleitet werden, um die Altersarmut zu bekämpfen. Die Mindestrente sollte an eine bestimme Anzahl von in Deutschland geleisteten Beitragsjahren oder zumindest an den Nachweis der Arbeitssuche geknüpft sein.

Drittens sollte die Rentenberechnung, wie in den USA, progressiver gestaltet werden. Forschungen zeigen, dass ein Rentenplan sehr gut geeignet ist, um Einkommensrisiken des Lebenszyklus durch die Umverteilung zwischen Menschen mit geringem und hohem Lebenseinkommen abzusichern. Eine solche Umverteilung wäre auch versicherungsmathematisch fairer, da die Lebenserwartungsdifferentiale nach dem Alter von 65 Jahren zwischen Menschen mit hohem und niedrigem Einkommen im Durchschnitt bei etwa sieben Jahren liegen. Ferner würde sich diese Art der Umverteilung nicht signifikant negativ auf die Arbeitsanreize auswirken.

Viertens muss die Förderung der privaten Altersvorsorge, die seit 2003 stückweise eingeführt worden ist, und als ersetzende Altersvorsorge gedacht ist, reformiert werden. Die private Altersvorsorge ist nicht weit genug verbreitet und die bürokratischen Hürden sind zu hoch, als dass sie tatsächlich das immer geringer werdende öffentliche Rentenniveau ausgleichen könnte. Daher sollten die Zuschüsse abgeschafft und stetig durch einen verbindlichen privaten Vorsorgeplan als Marktlösung ersetzt werden, wie beispielsweise in Australien. Darüber hinaus sollten Garantien während der Ansparphase für zertifizierte Produkte beseitigt werden, um mehr Spielraum für höhere Renditen zu ermöglichen.

Wissend, dass die geburtenstarken Jahrgänge in den Zweitausendzwanzigern in den Ruhestand eintreten werden, sollte die nächste Legislaturperiode dem deutschen Rentensystem ein nachhaltiges Setup verleihen.

Alexander Ludwig ist “Program Director Macro Finance – Monetary Policy and Fiscal Stability“ am Research Center SAFE.

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