SAFE Policy Blog

Nach der Krise ist vor der Krise

Jan Krahnen fordert weitere Restrukturierungen bei Banken und klarere Haftungsregeln

Zehn Jahre nach Beginn der Finanzkrise sieht SAFE-Direktor Jan Pieter Krahnen den europäischen Finanzsektor auf „dem richtigen Weg“, dennoch gäbe es noch Restrukturierungsbedarf. Europa habe einen zu großen und zu wenig profitablen Bankapparat, sagte Krahnen in einem Interview für die Frankfurter Neue Presse vom 16. August 2017. Zusammen mit der mangelnden Bereitschaft zu Strukturreformen in einigen europäischen Staaten habe dies die Zentralbanken in eine Rolle gedrängt, die ihnen eigentlich nicht zukomme. Anstatt vieler nationaler Champions favorisiert Krahnen „echte europäische Banken, die über nationale Grenzen hinweg tätig sind“. Konjunkturelle Schwankungen innerhalb Europas könnten so besser abgefedert werden.

Krahnen lobte die Fortschritte im Bereich der europäischen Finanzmarktregulierung, mahnte jedoch gleichzeitig weitere Anstrengungen an. So sollte die Aufsicht ständig prüfen, ob die nach dem Abwicklungsregime vorgeschriebene Mindestanforderung an Eigenkapital und vorzuhaltenden bail-in-fähigen Verbindlichkeiten einer Bank in Höhe von 8 Prozent der Bilanzsumme auch ausreiche, um einen Schadensfall zu verkraften.  Halter solcher Bail-in-Titel sollten nach Ansicht von Krahnen keine Kleinanleger, Banken und möglichst auch keine Unternehmen und Stiftungen sein. Um die volkswirtschaftlichen und systemischen Auswirkungen einer Krise zu minimieren, wären laut Krahnen Lebensversicherer und Pensionsfonds, die ihrerseits keine kurzfristigen Verpflichtungen übernommen haben, „ideal“. Bei Verpflichtungen, welche 30 Jahre oder länger laufen, könnten Einmalverluste über die Zeit breit verteilt werden, sodass kein einmaliger Einkommensschock auftrete. Krahnen forderte überdies, die staatliche Haftung jenseits der 8-Prozent-Schwelle klar zu definieren.

Aus welcher Richtung die nächste Bankenkrise drohe, könne niemand vorhersagen. Potenzielle Auslöser könnten beispielsweise ein Angriff auf die Software von Finanzinstituten oder – unter extremen Bedingen – der Zusammenbruch eines großen Clearinghauses sein. Mit der Entstehung großer Clearinghäuser, die seit der Finanzkrise OTC-Geschäfte absichern, sei ein neues systemisches Risiko geschaffen worden. Um möglichen Krisen noch besser vorzubeugen, empfiehlt Krahnen, Banken zu einem höheren Anteil an haftendem Kapital zu verpflichten. „Dies allein mit mehr Eigenkapital umzusetzen, halte ich aber nicht für realistisch – und auch nicht zielführend“, ergänzte der Frankfurter Finanzprofessor.

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