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Lagardes Vorschlag einer digitalen Notenbankwährung ist eine Überlegung wert

Oliver Hinz: Christine Lagarde hat sich kürzlich für eine von Notenbanken herausgegebene Digitalwährung ausgesprochen. Es gibt in der Tat Gründe, warum Zentralbanken diese Option in Betracht ziehen sollten

Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), erklärte kürzlich auf dem Singapore Fintech Festival, dass die Fintech-Revolution die Rolle von Bargeld und kommerzieller Einlagen in Frage stelle und letztlich auch die des Staates bei der Bereitstellung von Geld. Sie empfahl deshalb den Zentralbanken, die Vorteile und Herausforderungen einer Notenbank-Digitalwährung (Central Bank Digital Currency, CBDC) zu untersuchen.

Dies ist in der Tat eine interessante Aussage und könnte einige Entscheidungsträger in Zentralbanken dazu bringen, diese Möglichkeit genauer zu überdenken. Lagarde begründet ihren bemerkenswerten Vorstoß mit dem Argument, dass Zentralbanken mit einer CBDC gesamtgesellschaftliche Ziele erreichen könnten, die private Unternehmen nicht so sehr verfolgen. Sie sagte, dass CBDCs beispielsweise Menschen ohne Bankkonten helfen könnten oder in ärmeren und ländlichen Gebieten Dienstleistungen und Finanzlösungen bereitstellen könnten. Dies wäre sicherlich ein lobenswertes Ziel. Ich glaube allerdings nicht, dass dies das Hauptargument für Zentralbanken ist, über eine CBDC nachzudenken. Berichten zufolge ziehen Länder wie Schweden, Norwegen und Kanada, die bekanntermaßen weder ein Bankendefizit haben oder über ein zu geringes Maß an Finanzdienstleistungen verfügen, bereits CBDCs in Erwägung. Es muss also andere Gründe geben.

CBDC adressiert mögliche Probleme eher als private digitale Währungen

Ich persönlich glaube, dass es zwei Hauptgründe für Zentralbanken gibt, über kleine Testläufe von digitalen Notenbankwährungen nachzudenken.

Zunächst könnte eine CBDC (teilweise) private digitale Währungen ersetzen und wäre einfacher zu regulieren. Lagarde schlägt beispielsweise vor, dass CBDC-Transaktionen sicher und anonym sein sollten und nicht an Unternehmen oder andere staatliche Institutionen weitergegeben würden, solange keine strafrechtlichen Ermittlungen stattfinden. Schlussendlich bedeutet dies, dass CBDCs über eine integrierte Hintertür für strafrechtliche Verfolgung verfügen sollten und würden. Führende digitale Währungen wie Bitcoin machen die Strafverfolgung derzeit sehr schwierig, obwohl auch Bitcoin nicht gänzlich anonym ist. Während Bitcoin-Wallets, die „digitalen Geldbörsen“ nicht mit Personen verbunden sind, können die Wallets selbst und die Transaktionen zwischen den Wallets leicht beobachtet werden, wodurch die Strafverfolgungsbehörden die Möglichkeit haben, ihre Besitzer ausfindig zu machen. Allerdings gibt es andere, neuere technische Ansätze, die den Nutzern noch mehr Anonymität garantieren und ein Spielfeld für Kriminelle öffnen. Diese Entwicklung zu stoppen könnte eines der gesamtgesellschaftlichen Ziele sein, die Lagarde erwähnte.

Zweitens streben private Unternehmen, die digitale Währungen ausgeben, eine Gewinnmaximierung an. Dies bedeutet auch, dass sie ihr Geschäft mit möglichst niedrigen Kosten zu betreiben versuchen. Ein privates Unternehmen würde möglicherweise nicht alle potenziellen Risiken in Betracht ziehen, die mit seiner digitalen Währung verbunden sind, und dies könnte zu einer unzureichenden Absicherung führen. Im schlimmsten Fall - wenn die digitale Währung ernsthaft "gehackt" wird, kann dies zu erheblichen Verlusten für die Benutzer führen und letztendlich das Vertrauen in die Stabilität dieses Finanzinstruments zerstören. Für das private Unternehmen würde dies sicherlich den Bankrott bedeuten, aber das Problem der einzelnen digitalen Währung könnte andere Teile des Finanzsektors befallen. Möglicherweise müsste sich die Gesellschaft mit einem Problem auseinandersetzen, das tatsächlich von einer einzelnen privaten Institution geschaffen wurde. Ohne Zweifel gibt es hier Parallelen zum Bankensektor.

Solange digitale Währungen klein und für die Stabilität nicht von grundlegender Bedeutung sind, stellt dies kein großes Problem dar. Da sie aber wachsen, muss man dieses Problem berücksichtigen. Eine CBDC könnte die beiden genannten Punkte besser adressieren als jede private digitale Währung. Deshalb ist es sinnvoll, über diese Option nachzudenken.

Es ist jedoch erwähnenswert, dass der IWF im Allgemeinen die Vorteile einer CBDC nicht ganz so positiv bewertet. Ein Blick auf das IWF-Diskussionspapier „Casting Light on Central Bank Digital Currencies“  mit besonderem Augenmerk auf der Tabelle A1.1 zeigt, dass Kryptowährungen dem Standardkunden nicht viele Vorteile gegenüber herkömmlichem Bargeld bieten (und denken Sie auch an die Energie). Ich persönlich teile diese Meinung. Trotzdem ist es anerkennenswert, dass Lagarde dieses Thema in den Fokus der Zentralbanken gerückt hat. Wir brauchen mehr Forschung und fundierte Entscheidungen in diesem Bereich.

Oliver Hinz ist Professor für Information Systems and Information Management an der Goethe Universität Frankfurt.

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