SAFE Policy Blog

"Eine wegweisende Entscheidung"

Alexander Ludwig: William Nordhaus und Paul Romer haben die moderne endogene Wachstumstheorie und die Umwelt- und Klimaökonomie entwickelt und geprägt

Die US-Ökonomen William Nordhaus von der Universität Yale und Paul Romer von der Stern School of Business der New York University haben den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gewonnen. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees würdigt die Beiträge zweier Forscher zur langfristigen Makroökonomie und technischem Fortschritt mit unterschiedlichen, aber sehr nahe bei einander liegenden Facetten. Das ist eine wegweisende Entscheidung, die die Bedeutung der langfristigen Makroökonomie betont und gleichzeitig eine Brücke zwischen zunächst nicht direkt verbundenen Literatursträngen schlägt.

Worin sehen Sie den zentralen Beitrag von Paul Romer?

Paul Romer ist der Begründer der modernen endogenen Wachstumstheorie, für die er bereits 1983 in seiner Doktorarbeit den Grundstein gelegt hat. Im Kern dieser Theorie stehen ökonomische Modelle, die beleuchten, wie Wachstum in einer Ökonomie entsteht und warum auch entwickelte Volkswirtschaften weiterwachsen können. Außerdem beleuchtet sie, warum im dezentralen Wettbewerb Sektoren innerhalb der Volkswirtschaft zu stark oder zu wenig stark wachsen, relativ zu dem, was für die gesamte Wohlfahrt einer Nation (oder der Nationen) optimal wäre.

Woran liegt diese Diskrepanz?

Der Grund dafür sind externe Effekte, die das einzelne Unternehmen in seiner Entscheidung, neue Produkte herzustellen oder die Qualität existierender Produkte zu verbessern, nicht ins Kalkül aufnimmt. Solche externen Effekte können positiv wirken, etwa neue bahnbrechende Technologien oder die Akkumulation von Bildung. Wir bei SAFE nutzen übrigens Weiterentwicklungen dieser Modelle in Forschungsarbeiten, beispielsweise zur Analyse der vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Wachstum, Gesundheit und Lebenserwartung. Auch hier stehen positive Externalitäten durch neue Technologien im Vordergrund. Externe Effekte können aber auch negativ sein: wenn etwa im Produktionsprozess die Umwelt verschmutzt wird. Beim Stichwort Umwelt ist die Brücke zum zweiten Preisträger geschlagen.

Wie ordnen Sie das Wirken von William Nordhaus ein?

Nordhaus hat schon früh in den 1980er Jahren ökonomische Modelle entwickelt, die naturwissenschaftliche Elemente enthalten, um Treibhausgasemissionen und ihre Wechselwirkungen mit der ökonomischen Entwicklung zu beleuchten. Diese Modelle werden heute in der umweltökonomischen Forschung angewendet, um die Wachstumspfade einer Ökonomie und der Umweltkonsequenzen zu simulieren.

Welchen Einfluss haben die beiden Ökonomen auf die heutige Forschung?

Jüngere ökonomische Arbeiten bauen die Verbindung der beiden genannten Wissenschaftsstränge, die diese Forscher entwickelt und einzigartig geprägt haben, konsistent aus. Explizit nutzen diese exzellenten wissenschaftlichen Publikationen die Verbindungen zwischen Mehrsektorenmodellen, endogenem technischen Fortschritt und der Frage, welche Staatseingriffe in Anbetracht von Umweltverschmutzung und der Akkumulation dieser wohlfahrtsoptimal sind (beispielsweise hier und hier).

Alexander Ludwig ist Programmdirektor „Macro Finance – Monetary Policy and Fiscal Stability“ am Research Center SAFE.

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