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Die deutsche KI-Initiative – Viel Lärm um nichts?

Oliver Hinz kritisiert die deutsche Strategie Künstliche Intelligenz (KI): "Hohe Erwartungen zu wecken, ohne sie zu erfüllen, ist sicher kein guter Plan"

Im vergangenen Jahr wurden große Versprechungen gemacht: "3 Milliarden Euro für eine groß angelegte Initiative zur Künstlichen Intelligenz (KI)", oder auch "100 neue Professuren in diesem Bereich", um nur zwei dieser Versprechen zu nennen. Obwohl viele Experten weder mit dem Umfang der geplanten Bestrebungen noch der Höhe der Investitionen zufrieden waren, scheint die Politik nicht einmal diese Versprechen einhalten zu können oder zu wollen.

Aus diesem Grund wird nur wenige Monate später die Enttäuschung der Branchen- und Fachgebietsexperten immer größer.  Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat kürzlich die Ergebnisse einer Umfrage unter seinen Mitgliedern veröffentlicht. Diese zeigen, dass die Politik aus Sicht der Wirtschaft nicht entschieden und schnell genug handelt. Es scheint deshalb wahrscheinlich, dass Deutschland und Europa im Allgemeinen nicht mit den Entwicklungen in den USA und China Schritt halten können.

Was ist also aus den verschiedenen Initiativen geworden? Eine kleine Zusammenstellung von Beiträgen zeigt, warum so viele Experten und Branchenvertreter immer frustrierter sind. Das Handelsblatt berichtete, dass die Bundesregierung im Jahr 2019 nur 142 Millionen Euro investieren wolle (von 359 Milliarden Euro insgesamt; dies sind also 0,04 Prozent der Gesamtausgaben in 2019). Bis 2023 sollen sich die die Investitionen in KI demnach nun auf insgesamt 500 Millionen Euro belaufen. Einen Tag nach der Bekanntgabe des geplanten Budgets hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Problem an die EU weitergeschoben, indem sie eine EU-Initiative zur KI forderte.

Inzwischen hat sich auch gezeigt, dass 100 neue KI-Professoren in Deutschland in den nächsten Jahren eher Science Fiction als tatsächliche Politik sind. Ich verweise nur auf diesen Artikel, der das Dilemma und die Probleme bei diesem Vorhaben erklärt.  

Ein Braindrain der besten Talente

Neben der Höhe der Investitionen wurde in jüngster Zeit auch der spezifische Investitionsbereich kritisiert, da insbesondere ältere und wenig anspruchsvolle Methoden gefördert werden dürften. Die „Strategie Künstliche Intelligenz“ der Bundesregierung erwähnt – beispielsweise –Deep Learning kein einziges Mal auf 47 Seiten, was Fachexperten skeptisch macht.

Frankfurt soll auch ein KI-Hub sein, zumindest war dies ein Versprechen vor der Wahl. Bisher musste ich ein Excel-Blatt über abgeschlossene und aktuelle Projekte im Bereich KI ausfüllen;  Kommunikationsversuche (von Kollegen der TU Darmstadt und mir) mit der hessischen Regierung haben indes noch keine Ergebnisse gebracht.

Aber um ehrlich zu sein: zumindest meine Kollegen aus Bayern haben erfreut berichtet, dass tatsächlich große Investitionen in ihre Universitäten getätigt wurden (siehe z.B. hier or hier). Dadurch entsteht möglicherweise ein Braindrain der besten Talente nach Bayern. Nun, so funktioniert der Wettbewerb in einer föderalen Republik.

Insgesamt kann dieser kurze Überblick über die jüngsten Entwicklungen sicherlich dazu beitragen, den derzeitigen Zustand der Enttäuschung zu erklären. Wenn die Bundesregierung entscheidet, dass wir uns noch einige Jahre auf unseren Lorbeeren ausruhen können, ohne in unsere Zukunft zu investieren, werden Deutschland und Europa keine wichtige Rolle mehr in der Welt spielen. In jedem Fall gilt: Hohe Erwartungen zu wecken, ohne sie zu erfüllen, ist sicher kein guter Plan, weder für Regierungen noch für politische Parteien. Ich persönlich bin der Meinung, dass wir mehr in Datenanalyse, datengestützte Entscheidungsfindung und in die Ausbildung unserer jungen Talente in diesem Bereich investieren müssen.

Oliver Hinz ist Professor für Information Systems and Information Management an der Goethe Universität Frankfurt.

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