SAFE Policy Blog

Bedeutung und Potenzial von Mikrodatenanalysen

Loriana Pelizzon erklärt, welche Bedeutung Datentransparenz für die Finanzstabilität in der EU hat

Die Liste potenzieller Vorteile eines besseren Zugangs zu Finanzmarktdaten für Forscher ist lang: Aufklärung über Risikopositionen für Aufsichtsbehörden und Öffentlichkeit; Erweiterung des Kreises von externen "Prüfern" zentraler regulatorischer Datenbanken; Nutzung von Erfahrungen und Wissen renommierter Wissenschaftler; Verlagerung des Fokus der Wirtschafts- und Finanzforschung auf europäische Themen, Institutionen und Märkte; Verbesserung der Informationsgrundlage politischer und regulatorischer Entscheidungsfindung in Europa; Verbesserung der Qualität und der politischen Relevanz europäischer Forschung; mehr Möglichkeiten der Interaktion zwischen europäischen Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern; Förderung der Finanzstabilität.

Obwohl diese Vorteile selbst unter politischen Entscheidungsträgern und Regulierungsbehörden weitgehend anerkannt sind und trotz einiger erfreulicher Entwicklungen in diesem Bereich, hinken europäische Institutionen im Vergleich zu ihren amerikanischen Pendants immer noch weit hinterher, wenn es um die Bereitstellung von Finanzmarktdaten geht. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb die meisten empirischen Finanzmarktstudien, selbst in Europa, ausschließlich auf der Analyse von US-Daten aufbauen. Die einseitige Verwendung von US-Daten in der Finanzforschung führt dazu, dass viele wichtige politische Entscheidungen in Europa auf Grundlage empirischer Daten aus den USA getroffen oder zumindest stark davon beeinflusst werden. Auch wenn entsprechende Erkenntnisse zweifelsohne hilfreich sind, um die wesentlichen Mechanismen der Finanzmärkte zu verstehen, können die regulatorischen und politischen Implikationen dieser Studien dennoch in die Irre führen, da europäische Themen, Institutionen und Märkte in vielerlei Hinsicht andersartig sind.

Aus diesem Grund würden die europäischen Entscheidungsträger gut daran tun, dem US-Beispiel zu folgen und die finanzielle Datentransparenz für "freie" akademische Berater zu fördern, insbesondere auf der Mikroebene. In den meisten Fällen werden relevante Daten bereits gesammelt (zumindest auf nationaler Ebene), aber den Wissenschaftlern nicht zur Verfügung gestellt. Bei dem Versuch, die Hintergründe hierfür aufzuklären, konnten wir im Vergleich zu den USA keine Besonderheiten europäischer Finanzmärkte feststellen, die eine vergleichbare Mikrodatentransparenz verbieten würden. Es scheint vielmehr so, dass bürokratische Trägheit, mangelnde grenzüberschreitende Kommunikation und Zusammenarbeit sowie eine unterschwellige Skepsis gegenüber Akademikern die Hauptgründe für die mangelnde Transparenz von Mikrodaten darstellen. Die Überwindung dieser Hindernisse könnte die Finanzstabilität in Europa fördern und gleiche Wettbewerbsbedingungen mit den US-amerikanischen Regulierungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern gewährleisten.

Fünf verschiedene Arten von Mikrodaten sind dabei besonders zu beachten: 1) Bankbilanzdaten, 2) Vermögensportfoliodaten, 3) Markttransaktionsdaten, 4) Markthochfrequenzdaten, 5) Zentralbankdaten. Zum einen sind diese Daten besonders wichtig für die Überwachung des (systemischen) Risikos im Finanzsystem sowie für das Erkennen und Verstehen von Verflechtungen auf den Finanzmärkten. Sie haben somit eine bedeutende Signalwirkung für Entscheidungsträger in Politik und Regulierungsbehörden. Zum anderen kann in diesen Bereichen eine erhöhte Datentransparenz zu vergleichsweise niedrigen Kosten und ohne Beeinträchtigung des Datenschutzes für Finanzmarktakteure erreicht werden.

Loriana Pelizzon ist SAFE Professorin für Law und Finance an der Goethe-Universität Frankfurt und Programmdirektorin des SAFE Systemic Risk Lab.

Mehr zu diesem Thema:

Kasinger, J. and L. Pelizzon: Financial Stability in the EU: A Case for Micro Data Transparency, SAFE Policy Letter No. 67.

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