Der monatliche SAFE Manager Sentiment Index wertet die Analystenkonferenzen und Jahres- und Quartalsberichte börsennotierter Unternehmen in Deutschland aus. Vierteljährlich werden die wichtigsten Themen, die von den Führungskräften diskutiert werden, im SAFE Finance Blog zusammengefasst. Diese Ausgabe analysiert die 134 Analystenkonferenzen, die im vierten Quartal 2025 stattfanden. In den letzten vier Monaten drehte der Sentiment Index von negativen Werten von -0,4 im Oktober und -0,31 im November auf einen positiven Wert von 0,23 im Dezember 2025 und stieg im Januar 2026 weiter auf 0,31. Der Anstieg könnte eine Anpassung an das unsichere makroökonomische Umfeld widerspiegeln. Neben globalen Entwicklungen trugen auch inländische Faktoren zur Stimmungsaufhellung zum Jahresende bei: erfolgreiche Restrukturierungsprogramme in den Unternehmen sowie Optimismus hinsichtlich der Umsetzung des deutschen Fiskalpakets.
Der Grundstoffsektor steht „unter Druck“, während der Immobiliensektor „felsenfest“ bleibt
Der exportorientierte Grundstoffsektor (nach der Thomson Reuters Business Classification) verzeichnete seit März 2025 die negativste Stimmung unter allen Sektoren auf, was vermutlich den anhaltenden Gegenwind durch schwache Nachfrage und den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China widerspiegelt. Zwar hat sich die Managerstimmung in diesem Sektor seit Oktober verbessert, zuletzt verlangsamte sich jedoch das Tempo der Erholung. Eine Führungskraft formulierte es so: „Die chemische Industrie steht weltweit unter Druck, insbesondere aber in Europa. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt und die Nachfrage schwach. Gleichzeitig ist das Marktumfeld herausfordernd und der Wettbewerbsdruck hoch, vor allem aus China. Hinzu kommt der stärkere Euro, der zusätzlichen Gegenwind erzeugt.“ Eine weitere Führungskraft bekräftigte diese Einschätzung mit den Worten: „Wir haben einen ziemlich harten Wettbewerb aus China.“
Der Immobiliensektor hebt sich am oberen Ende der Stimmungsverteilung deutlich ab. Dort schlossen die Führungskräfte das Jahr mit Zuversicht ab und diskutierten ausführlich die operative Entwicklung. Eine Führungskraft fasste zusammen: „Unser Marktumfeld und unser operatives Geschäft bleiben felsenfest, und wir sind auf einem sehr guten Weg, unsere ambitionierten Ziele zu erreichen […]“. Diese Zuversicht wird durch eine Stabilisierung der Baukosteninflation und anhaltendes Mietwachstum gestützt, was auf eine verzögerte Inflationsweitergabe hindeutet. Wie eine weitere Führungskraft hervorhob: „Das Mietwachstum bleibt auf einem erhöhten Niveau. Die Zinskosten haben sich im letzten Monat stabilisiert. Zudem steigen die Mieten weiterhin schneller als die allgemeine Inflation“, was die Renditeerwartungen für Bestandsimmobilien stützt.
Fiskalpaket sorgt für Optimismus, doch zeitliche Unsicherheit bleibt
Ein wiederkehrendes Thema in den Analystenkonferenzen war das deutsche Fiskalpaket. Insbesondere die Industrie- und Finanzsektoren begrüßten es als Unterstützung für Nachfrage, Kreditwachstum und das gesamtwirtschaftliche Umfeld in Deutschland. Mehrere Führungskräfte erwarteten, dass es zu einem zusätzlichen Katalysator wird, sobald die Ausgaben an Fahrt gewinnen: „Mit Blick auf 2026 erwarten wir, dass die Nachfrage in Deutschland anzieht, da die zusätzlichen Ausgaben […] beginnen sollten, die Wirtschaft zu stimulieren“, sowie: „Wir erwarten, dass das Kreditgeschäft […] vom Fiskalpaket in Deutschland profitieren und sich im Verlauf des Jahres 2026 beschleunigen wird.“ Gleichzeitig bleiben einige Führungskräfte vorsichtig und warnen vor Verzögerungen bei der Umsetzung aufgrund langer Planungszyklen und regulatorischer Komplexität. Wie eine Führungskraft anmerkte, seien „Investitionen in Infrastruktur eher ein langfristiges Thema“, während eine andere betonte, dass „wir selbst im nächsten Jahr kaum Auswirkungen sehen werden […] vermutlich eher 2027“. Entsprechend wird das Paket von einigen als hilfreich, aber nicht transformativ eingeschätzt: „Es wird an manchen Stellen helfen […] aber […] es ist nicht der entscheidende Game Changer.“
Anhaltende makroökonomische Unsicherheit und ungünstige Wechselkursentwicklung
In der Rückschau beschrieben Führungskräfte das Umfeld wiederholt als herausfordernd und volatil. Zölle, Wechselkurse, insbesondere ein schwacher US-Dollar, sowie der von China ausgehende Wettbewerbsdruck dominierten die makroökonomische Debatte. Eine Führungskraft formulierte es so: „Das Marktumfeld bleibt herausfordernd.“ Die Entwicklungen an den Devisenmärkten gaben einigen Führungskräften bereits im dritten Quartal 2025 Anlass zur Sorge, doch im letzten Quartal wurde die Einschätzung des starken Euro und des schwachen US-Dollars noch negativer. „Währungseffekte dämpften den Umsatz in allen Geschäftsbereichen“, berichtete eine Führungskraft aus der Chemieindustrie. Ein CEO aus dem Bereich der zyklischen Konsumgüter ergänzte: „Der ausgewiesene Umsatz ging um 15,3 % zurück […] getrieben durch Währungsgegenwind, insbesondere durch den US-Dollar und den argentinischen Peso.“
Fokus auf das Kontrollierbare
Mit zunehmender Gewöhnung an das volatile und unsichere Geschäftsumfeld legten Führungskräfte verstärkt den Fokus auf die operative Umsetzung und auf jene Faktoren, die sie selbst beeinflussen können. Viele Unternehmen berichteten von laufenden Transformationsprogramme mit Schwerpunkt auf finanziellen Fundamentaldaten, Kostenmanagement, Liquidität und Profitabilität. Eine Führungskraft aus dem Industriesektor beschrieb 2025 als Jahr des strategischen Wandels und aktiver Entscheidungen: „Ein Jahr der Entscheidungen liegt hinter uns […] ein Jahr, in dem wir mutig neue Wege beschritten und die Weichen für die Zukunft gestellt haben.“ Führungskräfte betonten Anpassungsfähigkeit und kontinuierlichen Fortschritt: „Wir konzentrieren uns voll darauf, das effektiv zu steuern, was wir kontrollieren können, schnell auf neue Informationen zu reagieren und unsere Transformation voranzutreiben.“
Was bringt das Jahr 2026?
Trotz vorsichtigem Optimismus zeigten sich Führungskräfte zurückhaltend bei konkreten Prognosen für 2026. „Sie hören mich schweigen, weil wir uns noch nicht in dem Zeitpunkt des Jahres befinden, um Prognosen abzugeben. Aber ich bleibe optimistisch, ja“, kommentierte eine Führungskraft aus dem Bereich der zyklischen Konsumgüter. Eine Führungskraft aus dem Immobiliensektor schlug einen ähnlichen Ton an und blieb vage, aber zuversichtlich: „Insgesamt glauben wir, dass 26 besser wird. Deutlich besser als 25.“ Ein weiterer CEO betonte das Vertrauen in eine anhaltende Dynamik: „Wir sind zuversichtlich, dass wir den Schwung aus unserem Kerngeschäft in das Jahr 2026 mitnehmen können, und erwarten erneut ein zweistelliges organisches Umsatzwachstum.“
Gleichzeitig rechnen Führungskräfte weitgehend mit anhaltenden makroökonomischen Widrigkeiten – von Wechselkursdruck über Zölle bis hin zu schwacher Nachfrage. „Wir erwarten, dass der erhebliche Gegenwind durch Währungseffekte auch 2026 anhalten wird", so eine Führungskraft, während eine andere ergänzte, Unternehmen müssten auf „ein Szenario vorbereitet sein, in dem Zölle als Teil des operativen Geschäfts bestehen bleiben“.
Zugleich bleibt abzuwarten, ob die überwiegend positive Managerstimmung andauert, da das Jahr 2026 bereits neue geopolitische Volatilität mit sich gebracht hat. Die erneuten Spannungen rund um Grönland und die damit verbundene Drohung von US-Zöllen gegen acht europäische Länder verunsicherten die Finanzmärkte kurzfristig, bevor eine Einigung erzielt wurde.
Die Originalzitate sind auf Englisch und hier zu finden.
Alexander Hillert ist Co-Abteilungsleiter der SAFE-Forschungsabteilung „Financial Intermediation“ und Professor für Finanzen und Data Science.
Denise Rößler ist Finanzökonomin am SAFE Policy Center.
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