Jan Krahnen: „Die EZB überlässt das Feld der staatlichen Fiskalpolitik“

SAFE-Direktor sieht in der aktuellen geldpolitischen Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) eine abwartende Haltung, die allerdings mit den staatlichen Hilfsprogrammen für Unternehmen in der Coronakrise harmoniert

Der EZB-Rat hat mit seiner jüngsten geldpolitischen Entscheidung keine Änderungen am Leitzinsniveau sowie am Umfang des "Pandemic Emergency Purchase Programme" (PEPP) zur Bewältigung der Coronakrise in der Eurozone vorgenommen. Jan Krahnen, Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE, erklärt dazu:

"Mit der heutigen Entscheidung bleibt die EZB ihrer Linie treu und überlässt das Feld der Fiskalpolitik der Euro-Staaten. Der Fokus richtet sich damit auf die großen, steuerfinanzierten Hilfsprogramme in der derzeitigen Coronakrise.

Diese Arbeitsteilung zwischen EZB und Fiskalpolitik ist sinnvoll, denn während die staatlichen Corona-Hilfsprogramme vorrangig auf die Industrie zielen, richtet sich die Geldpolitik der EZB an die Banken. Das neuartige Element des aktuellen staatlichen Krisenmanagements ist die aktive Konzentration finanzieller Mittel auf die Bankkunden, nicht auf die Banken selbst. Damit erfährt letztlich auch der Bankensektor Schutz, was der Haltung der EZB spricht, die Banken mit Liquidität zu versorgen. Die EZB hält sich mit diesem Kurs auch weitere Handlungsmöglichkeiten in Zukunft offen.“