16 Sep 2014

Erfolgreiche SAFE Summer Academy zum Thema Schattenbanken

Am 3. September fand in der Hessischen Landesvertretung in Brüssel die zweite SAFE Summer Academy zum Thema “Shadow Banking: Evolution, Background, Perspectives” statt. Jan Pieter Krahnen, Programmdirektor des SAFE Policy Centers, und Günter Beck, akademischer Leiter der Summer Academy, begrüßten mehr als 35 Teilnehmer aus neun verschiedenen EU-Staaten, von denen viele in Institutionen tätig sind, die sich mit der Gesetzgebung und Umsetzung der Finanzmarktregulierung befassen: die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, der Rat der EU, nationale Parlamente, europäische Finanzminister, die Europäische Zentralbank und nationale Zentralbanken.

Die Summer Academy ist ein eintägiges Trainingsseminar für europäische Entscheidungsträger aus dem Bereich der Finanzmarktregulierung, das einmal jährlich von SAFE organisiert wird. In diesem Jahr gaben die Referenten den Teilnehmern einen analytischen, fakten- und evidenzbasierten Überblick über die Größe und wirtschaftliche Rolle des Schattenbanksektors. Im Fokus stand dabei die Frage nach den Auswirkungen des Schattenbankensektors auf die Finanzstabilität. Die Einschätzungen der Experten regten eine Diskussion unter den Teilnehmern darüber an, ob Aktivitäten im Schattenbankensektor, wie z. B.  Geldmarktfonds oder Derivatemärkte, reguliert werden sollten.

Thomas Wieser, Vorsitzender des Wirtschafts- und Finanzausschusses der Europäischen Union, eröffnete die Summer Academy mit einer Keynote-Rede. Er vertrat die Ansicht, dass aufgrund des relativen Überangebots von Banken in Europa eine Notwendigkeit zum Schuldenabbau im Bankensektor bestehe und daher auch ein Bedarf an anderen Kreditquellen. Er betonte, dass eine potenzielle Regulierung des Schattenbankensektors international koordiniert werden müsse, da es wichtig sei, gleiche Wettbewerbsbedingungen (auch gegenüber den USA) zu schaffen.

Die erste inhaltliche Session befasste sich mit dem Thema „Defining and measuring the shadow banking system in the euro area (also in comparison to the U.S.)”. Bernhard Winkler (EZB) und Steffen Kern (ESMA) präsentierten Definitionen und Messgrößen für den Schattenbankensektor, um den Teilnehmern die Rolle von Schattenbanken in der Finanzintermediation und das Ausmaß des Schattenbankensektors in der Eurozone sowie weltweit zu verdeutlichen.

In der zweiten Session präsentierte Günter Beck (SAFE und Universität Siegen) ein gemeinsames Forschungsprojekt mit Hans-Helmut Kotz (SAFE und Universität Harvard), dessen Ziel es ist, den Trade-off zu berechnen, der entsteht, wenn die Finanzmarktregulierung erhöht wird: dies verbessert zwardie Finanzstabilität, führt aber gleichzeitig auch dazu, dass weniger Kapital vermittelt wird.

Mammohan Singh (IMF) leitete die erste Nachmittagssession zum Thema „The economics and policy of shadow banking regulation”. Unter anderem wies er darauf hin, dass die Aktivitäten von Schattenbanken stark prozyklisch seien und sich damit potenziell negativ auf die Realwirtschaft auswirken könnten. Außerdem könne es zu wesentlichen Wechselwirkungen mit der Geldpolitik kommen. Singh gab zudem einen Überblick über und eine Einschätzung zu den Regulierungsvorschlägen für das Schattenbankensystems.

Die zweite Nachmittagssession widmete sich zwei spezifischen Schattenbankeneinheiten (bzw. –prozessen): Geldmarktfonds und Verbriefungen. Morgan Després (Banque de France) analysierte die potenziellen Risiken von Geldmarktfonds für die Finanzstabilität und die derzeit geplanten Regulierungsvorhaben in den USA und der EU. Jürgen Schaaf (EZB) gab einen Überblick über die Märkte für Verbriefungen und diskutierte die Vorteile eines stabileren und nachhaltigeren Verbriefungsmarktes in Europa.

Das Programm endete mit einer Paneldiskussion unter dem Titel: „What kind of regulation for the (European) shadow banking system?” Jan Pieter Krahnen (SAFE und Goethe-Universität) diskutierte mit Pentti Hakkarainen (Vizepräsident, Bank von Finnland) und Jean-Pierre Landau (Sciences Po) die grundlegende Frage des Tages: Entstehen durch die Aktivitäten der Schattenbanken systemische Risiken, die eine Regulierung dieses Marktes rechtfertigen?