23 Mar 2026

Der Einfluss von Stablecoins wächst: Europa braucht eine Antwort

Die Eurozone muss unabhängiger werden und ihre monetäre Souveränität sowie die Stabilität ihres Finanzmarktes sichern

Eine Hand hält mehrere Euro‑Banknoten vor Monitoren mit Finanzdiagrammen.

Der Einfluss von Stablecoins wächst rasant – beim jährlichen Transaktionsvolumen haben sie bereits klassische Kartennetzwerke wie Visa und Mastercard überholt. Gleichzeitig sind rund 99 Prozent des Stablecoin-Marktes an den US-Dollar gekoppelt. 

Ein aktuelles White Paper des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE kommt zu dem Schluss, dass diese Entwicklung die monetäre Souveränität der Eurozone und die Stabilität des europäischen Finanzmarktes bedroht. Europa muss reagieren und eine strategische Entscheidung treffen, sagen die Forschenden Florian Heider (SAFE & Goethe-Universität), Jan Pieter Krahnen (SAFE), Günter Franke (Universität Konstanz), Tatiana Farina (SAFE) und Marti G. Subrahmanyam (New York University).

Stablecoins verändern die Architektur der Finanzmärkte

Stablecoins bilden eine Brücke zwischen Krypto-Ökosystem und traditionellen Finanzmärkten. Mit steigender Verbreitung verändern sie zunehmend Finanzströme, beeinflussen die Nachfrage nach Staatsanleihen und potenziell die Wirkung der Geldpolitik. 

„Der Einfluss von Stablecoins auf die Finanzmärkte wird weiter zunehmen“, sagt der Wissenschaftliche Direktor von SAFE, Florian Heider. „Die USA fördern Stablecoins, um eventuell die Nachfrage nach US-Staatsanleihen zu erhöhen. Für Europa ist es daher essenziell, eine sichere und zukunftsfähige Alternative zu schaffen, welche die Rolle des Euro stärkt.“ Ohne europäisches Handeln könnte sich die Nachfrage weiter von Euro- zu US-Staatsanleihen verlagern. Das schwächt die monetäre Souveränität Europas.

Obwohl regulatorische Rahmen wie der „Guiding and Establishing National Innovation for US Stablecoins Act”(GENIUS Act) in den USA und der „Markets in Crypto-Asset Regulation“ (MiCAR) in der Europäischen Union umgesetzt werden, bleiben erhebliche Lücken bestehen. Dadurch entstehen Spielräume für Regulierungsarbitrage. Zudem erschweren Regulierungslücken die transparente Durchsetzung von Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung. „Der größte Emittent von Stablecoins Tether ist beispielsweise in El Salvador ansässig und damit außerhalb der Regulierungsrahmen der EU und den USA“, erklärt Ökonomin Tatiana Farina. 

Der digitale Euro stärkt Europas Unabhängigkeit 

Die Studie skizziert strategische Szenarien für Europa. Ein privat organisiertes und Euro-denominiertes Stablecoin-Ökosystem beginnt sich herauszubilden, ist jedoch bislang von begrenztem Umfang und bleibt auf private Intermediäre angewiesen. Außerdem erfordert es eine einheitliche Aufsicht über alle Rechtsordnungen hinweg, unterstreichen die Forschenden. Eine robustere, alternative Lösung zur Stärkung des Euros ist die Einführung des digitalen Euro. „Digitales Zentralbankgeld ist deshalb die stärkste Option der monetären Verankerung in einem digitalen Finanzsystem“, führt Farina, wissenschaftliche Referentin des SAFE-Direktors, aus. 

Als öffentliches digitales Abwicklungsinstrument würde der digitale Euro eine alternative, sichere Grundlage für das europäische Finanzsystem bieten, monetäre Steuerungsfähigkeit gewährleisten und die Abhängigkeit von in Fremdwährung denominierten Instrumenten verringern. Die Autor:innen argumentieren – im Einklang mit dem SAFE Policy Letter No. 112 –, dass die Einführung beschleunigt werden sollte. Es wird erwartet, dass das Europäische Parlament seine Position zum digitalen Euro in den kommenden Monaten festlegen wird.

Prof. Dr. Florian Heider

Wissenschaftlicher Direktor