Coronavirus: Stoppt die Alleingänge! Europa muss jetzt gemeinsam handeln

Langfristig Finanzstabilität sichern: Wir brauchen einen koordinierten Fiskalplan auf europäischer Ebene und den massiven Einsatz Eigenkapital-ähnlicher Finanzierung

Ein koordinierter Fiskalplan auf gesamteuropäischer Ebene, der die nationalen Maßnahmen ergänzt, ist für die Finanzstabilität in Europa von entscheidender Bedeutung. Der Plan muss umfangreich sein, sofort umgesetzt und durch einen gemeinsamen fiskalischen Auffangmechanismus unterstützt werden. Laut einem Forderungspapier mehrerer internationaler Finanzexperten um das Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt, könnten die Alleingänge der nationalen Regierungen und die starke Fokussierung auf Instrumente der Fremdfinanzierung ansonsten die Finanzstabilität gefährden.

Regierungen und Zentralbanken auf der ganzen Welt haben umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, um Unternehmen die dringend benötigte Liquidität zur Verfügung zu stellen und den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Eindämmungsstrategie gegen das Coronavirus entgegenzuwirken. In einem neuen SAFE Policy Letter weisen die Autoren darauf hin, dass die derzeitigen asymmetrischen nationalen Maßnahmen auf längere Sicht das Finanzsystem destabilisieren könnten, da die unterschiedlichen fiskalischen Möglichkeiten der Euro-Länder, ihre Unternehmen zu unterstützen, das volkswirtschaftliche Ungleichgewicht im Euroraum weiter erhöhen und daher zu starken Nebenwirkungen führen können. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank allein kann die wirtschaftliche Divergenz in der Eurozone nicht bewältigen. Zu den Autoren gehören Arnoud Boot (Universität Amsterdam), Elena Carletti (Universität Bocconi und Florence School of Banking and Finance), Hans-Helmut Kotz (Harvard Center for European Studies und SAFE), Jan Pieter Krahnen (SAFE), Loriana Pelizzon (Goethe-Universität Frankfurt und SAFE) und Marti Subrahmanyam (New York University, Stern Business School).

Neben einer europaweiten Absicherung und Koordinierung der Hilfsprogramme sollte zur Unterstützung von Unternehmen ein Übergang von Verschuldungs- hin zu eigenkapitalähnlichen Instrumenten erfolgen. Durch diese Instrumente der Risikoteilung könnten kleinere und größere Unternehmen ihren Verschuldungsgrad reduzieren und ihre Risikotragfähigkeit erhöhen. Darüber hinaus bietet ein solches „Skin-in-the-Game“ -Finanzierungsprogramm, das dem nach der globalen Finanzkrise in den USA verwendeten Troubled Asset Relief Program (TARP) ähnelt, den europäischen Mitgliedstaaten und ihren Steuerzahlern die Möglichkeit, vom Wiederaufschwung der Wirtschaft nach der Krise zu profitieren.


SAFE Policy Letter No.79: Corona and Financial Stability 2.0: Act jointly now, but also think about tomorrow

SAFE Policy Letter No.78: The Coronavirus and Financial Stability