Bail-In-Tracker: Funktionieren die neuen EU-Regeln zur Bankensanierung?

Das LOEWE-Zentrum SAFE und die Börsen-Zeitung haben eine neue Online-Anwendung entwickelt, die Informationen über aktuell im Umlauf befindliche nachrangige Verbindlichkeiten von 36 Großbanken aus 15 europäischen Ländern zur Verfügung stellt: den Bail-In-Tracker (www.bail-in-tracker.eu). Entsprechend der EU-Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Banken (BRRD) sind nachrangige Verbindlichkeiten eine der ersten Anleiheklassen, die zu einem Bail-In herangezogen werden, sollte das Tier-2-Kapital einer Bank nicht ausreichen. Bei einem Bail-In werden Gläubiger einer Bank im Falle einer finanziellen Schieflage in Haftung genommen, indem Teile ihrer Anleihen in Eigenkapital umgewandelt werden. Der Bail-In-Tracker zeigt die jeweils bail-in-fähigen öffentlich emittierten nachrangen Anleihen auf Wochenbasis seit Juli 2011 an und bietet damit regelmäßig aktualisierte Informationen über die Größenordnung eines potenziellen Bail-In der entscheidenden Bilanzposition bei jeder der untersuchten Banken.

Martin Götz, SAFE Professor für Regulierung und Stabilität von Finanzinstituten sowie verantwortlich für die ökonomische Analyse der zur Verfügung gestellten Daten, erläutert das Projekt und erste Ergebnisse der Datenanalyse in einem Interview in der aktuellen Ausgabe des SAFE Newsletters (Q4 2016). Danach liegt der Anteil der nachrangigen Verbindlichkeiten in Prozent aller Verbindlichkeiten bei den untersuchten Banken seit 2011 relativ konstant bei etwas weniger als drei Prozent. Allerdings gebe es große Unterschiede zwischen den Instituten. Laut Götz verfügen Banken mit wenig Eigenkapital und somit einem geringen Eigenkapitalpuffer im Durchschnitt über einen höheren Anteil an nachrangigen Verbindlichkeiten. Dies deutet darauf hin, dass bei diesen Instituten eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, dass diese Schuldtitel zu einem Bail-In herangezogen werden. Die Daten zeigen zudem große Unterschiede zwischen den europäischen Ländern: Während bei Banken in Großbritannien fast 7,5 Prozent der Verbindlichkeiten nachrangig sind, liegt dieser Anteil bei Finanzinstituten in Griechenland, Dänemark und Spanien nur bei etwa einem Prozent (s. Abb. 1).

 

Abb. 1: Durchschnittliche Höhe der im Umlauf befindlichen nachrangigen Verbindlichkeiten im Verhältnis zu allen Verbindlichkeiten in verschiedenen Ländern im Juli 2011 und im September 2016.

Weitere Ergebnisse der Datenanalyse beinhalten den Befund, dass Banken mit Hauptsitz in der Eurozone etwa 15 Prozent ihrer nachrangigen Verbindlichkeiten in einer anderen Währung als Euro begeben und dass die Institute etwa ein Viertel der nachrangigen Anleihen auf Ebene einer Tochter- anstelle der Muttergesellschaft begeben.

Das interdisziplinäre Projekt-Team des Bail-In-Tracker besteht aus – neben Martin Götz – Tobias Tröger, SAFE Professur für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Rechtstheorie (beide Goethe-Universität Frankfurt), und Stephan Lorz, Leiter des Ressorts Konjunktur und Politik bei der Börsen-Zeitung. Das Projekt wird gefördert von der VolkswagenStiftung im Rahmen des Projekts “Wissenschaft und Datenjournalismus”.

>> Bail-in Tracker Webseite